Vier Tote bei Ausschreitungen in Hauptstadt Bamako

Führende Köpfe der Oppositionsbewegung in Mali nach Massenprotesten festgenommen

Bamako (AFP) - Nach Massenprotesten gegen den malischen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita sind in dem westafrikanischen Land mehrere führende Regierungsgegner festgenommen worden. Sechs Vertreter der Oppositionsbewegung 5. Juni seien seit Freitag in Gewahrsam genommen worden, teilte die Gruppe am Samstag mit.
Demonstranten errichten Barrikaden in Bamako Bild anzeigen
Demonstranten errichten Barrikaden in Bamako © AFP

Am Freitag waren tausende Demonstranten in der Hauptstadt Bamako auf die Straße gegangen, um Keitas Rücktritt zu fordern. Bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften wurden nach Angaben von Regierungschef Boubou Cissé vier Menschen getötet und rund 50 weitere verletzt. Demonstranten griffen das Parlamentsgebäude an und stürmten die Büros des staatlichen TV-Senders. Auch am Samstag lieferten sich Regierungsgegner in Bamako Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften.

Die Bewegung des 5. Juni setzt sich aus religiösen und zivilgesellschaftlichen Gruppen zusammen. An ihrer Spitze steht der Imam und islamische Hardliner Mahmud Dicko. Die Demonstranten eint die Unzufriedenheit über schleppende Reformen und die anhaltende Gewalt in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land.

Der 75-jährige Präsident Keita gerät zunehmend unter Druck, weil es ihm nicht gelungen ist, einen seit 2012 andauernden dschihadistischen Aufstand im Norden des Landes unter Kontrolle zu bringen, der sich inzwischen auch ins Zentrum des Landes ausgedehnt hat. Tausende Soldaten und Zivilisten wurden dabei getötet, hunderttausende Menschen sind geflohen. Verschleppte politische Reformen, eine schwächelnde Wirtschaft und die weit verbreitete Annahme, die Regierung sei korrupt, haben die Stimmung gegenüber Keita weiter verschlechtert.

Die Bundeswehr ist in Mali mit bis zu 1100 Soldaten als Teil der UN-geführten Mission Minusma vor Ort, die einen Beitrag zur Stabilisierung des westafrikanischen Krisenstaats leisten soll. Zudem sind bis zu 450 deutsche Soldaten an der EU-Ausbildungsmission EUTM Mali beteiligt.

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