Zuvor hatte Fraktionschef Gregor Gysi der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Entweder es gelingt ein Neubeginn, oder es endet in einem Desaster bis hin zu einer möglichen Spaltung." Ernst ließ erneut offen, ob er selbst noch einmal antritt und äußerte Sympathie für eine mögliche Wahl seiner Stellvertreterin Sahra Wagenknecht zu einer der beiden Vorsitzenden. Sie lehnt eine Bewerbung um das Führungsamt bislang ab, dennoch gilt es als möglich, dass sie bei der Wahl am Samstagabend kurzfristig antritt.
Die stellvertretende Parteivorsitzende Katja Kipping, die für den Vorsitz kandidiert, mahnte eine "neue Führungskultur" in der Partei an. Das Modell "einer starken autoritären Führung" habe der Partei große Erfolge gebracht, aber auch die jetzige Krise. "Man muss wegkommen von dem Glauben, dass es die eine Person gibt, die die Partei aus der Krise führt", sagte Kipping zu Beginn der Vorstandsitzung. "Es braucht mehr Teamgeist."
Kipping will gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Landesvorsitzenden Katharina Schwabedissen eine weibliche Doppelspitze bilden. Um den Vorsitz bewirbt sich zudem Fraktionsvize Dietmar Bartsch. Dessen Widersacher, Ex-Parteichef Oskar Lafontaine, hatte seine Bereitschaft zur erneuten Kandidatur zurückgezogen. Bartsch, der dem Reformerflügel angehört, rief die zerstrittene Partei zur Einigung auf. "Wir brauchen eine starke Gruppe an der Spitze der Partei, die bereit ist, wieder das gemeinsame in den Vordergrund zu stellen" sagte er im ZDF.
Insgesamt gibt es derzeit zehn Bewerber für die beiden Vorsitzenden-Posten, darunter auch der baden-württembergische Landesvorsitzende Bernd Riexinger. Einer der beiden Posten muss mit einer Frau besetzt sein. Weil nicht mehr mit einem gemeinsamen Vorschlag der Parteispitze gerechnet wird, sind Kampfabstimmungen zu erwarten.
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