Bericht der Wochenzeitung "Freitag"

Gauck soll "Kirchentag von unten" verhindert haben

Berlin (AFP) - Der designierte Bundespräsident Joachim Gauck soll einem Zeitungsbericht zufolge bei der Vorbereitung des Rostocker Kirchentags 1988 Vertreter der DDR-Opposition gezielt ausgegrenzt und einen "Kirchentag von unten" verhindert haben. Das berichtet die Wochenzeitung "Freitag" unter Berufung auf ihr vorliegende Stasi-Akten und auf den ehemaligen Bürgerrechtler Heiko Lietz. Lietz sagte der Zeitung: "Ich bin während des Kirchentages in meinen Möglichkeiten, mich zu entfalten, massiv eingeschränkt worden."

Gauck Bild anzeigen Gauck © AFP

Gauck sei damals als Rostocker Pfarrer mit der Vorbereitung und Leitung des Kirchentags betraut gewesen. Die Kirchentagsleitung unter Gauck habe ihn "ausgebremst", sagte der frühere Bürgerrechtler Lietz der Zeitung.

Dies werde auch von Akten belegt, die die DDR-Staatssicherheit über Gauck angelegt habe, berichtet die Zeitung. "Zum Kirchentag 1988 in Rostock sagte Gauck eindeutig, dass 'wir' keinen Kirchentag von unten haben wollen und es in Rostock nicht zu solchen Ausschreitungen wie in Berlin kommen wird", zitiert der "Freitag" aus den Stasi-Akten. "Der gesamte Kirchentag ist ein Kirchentag von unten, aber Missbrauchshandlungen lässt er nicht zu. Rostock ist nicht Berlin - Gäste haben sich zu fügen und einzuordnen."

Weiter hielt die Stasi demnach fest: "Wörtlich äußerte Gauck: 'Der Kirchentag 1988 ist zum Feiern da und nicht zum Demonstrieren'." Die oppositionelle Basisgruppe "Kirche von unten" war 1987 im Zusammenhang mit dem Evangelischen Kirchentag in Ost-Berlin entstanden. Am Rande hatte dort ein "Kirchentag von unten" stattgefunden, der als Signal für Veränderungen in der DDR Aufsehen erregt hatte. Ein Jahr später wollte die DDR-Führung Ähnliches verhindern.