Nordkorea muss Entschädigung an südkoreanische Gefangene zahlen

Gericht in Südkorea fordert erstmals Schadenersatz von Machthaber Kim Jong Un

Seoul (AFP) - Ein Gericht in Südkorea hat erstmals Schadenersatz von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un für zwei jahrzehntelang inhaftierte Südkoreaner gefordert. "Dies ist ein Meilenstein", sagte der Rechtsanwalt der beiden Kläger, Koo Chung-seo, nach der Entscheidung am Dienstag. Die Männer wurden nach eigenen Angaben über Jahrzehnte im Norden festgehalten und mussten Zwangsarbeit leisten.
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Gericht in Südkorea fordert erstmals Schadenersatz von Machthaber Kim © AFP

Wie eine Gerichtssprecherin der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, entschied das Zentrale Bezirksgericht von Seoul, dass Nordkorea und Machthaber Kim jeweils 21 Millionen Won (15.500 Euro) an die Kläger zahlen müssen.

Die Verteidiger der Männer begrüßten das Urteil, das sich zum ersten Mal gegen "illegale Handlungen von Kim Jong Un" richtete. Das Gericht hätte nun den Weg für weitere rechtliche Schritte gegen Kim und dessen Regime geebnet, sagte Koo.

Die beiden heute 87 Jahre und 90 Jahre alten Kläger gaben an, während des Koreakrieges zwischen 1950 und 1953 gefangen genommen worden zu sein. Nach dem Waffenstillstand zwischen den beiden verfeindeten Bruderstaaten seien sie jedoch nicht in ihre Heimat zurückgeführt worden. Stattdessen hätten sie über Jahrzehnte in Kohleminen und anderen Einrichtungen in Nordkorea arbeiten müssen, bis ihnen die Flucht über China gelang.

Die Männer kehrten in den Jahren 2000 und 2001 zurück nach Südkorea. 2016 klagten sie wegen der durch die Zwangsarbeit erlittenen "enormen psychischen und physischen Schäden".

Um sicherzustellen, dass die Kläger kompensiert werden, kündigte eine Bürgergruppe rechtliche Schritte nach dem Urteil an. Demnach sollen unter anderem nordkoreanische Vermögenswerte unter der Kontrolle Seouls beschlagnahmt werden.

Nach Angaben des War Memorial of Korea in Seoul befanden sich nach Kriegsende etwa 170.000 nordkoreanische und chinesische Gefangene in den Kriegsgefangenenlagern der von den USA geführten UN-Truppen, während 100.000 südkoreanische und UN-Soldaten im Norden festgehalten wurden. Laut der Regierung in Seoul überführte Pjöngjang nach dem Waffenstillstand nur 8.343 Südkoreaner. Nordkorea weist die Anschuldigen bis heute zurück. Die Soldaten aus dem Süden seien nicht gegen ihren Willen im Norden festgehalten worden.

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