Stärkste Kraft im neuen Parlament ist laut den am Abend veröffentlichten Prognosen Nea Dimokratia. Die Partei von Ex-Außenminister Antonis Samaras kam aber nur noch auf 19 bis 20,5 Prozent der Stimmen, bei der Wahl 2009 hatte sie noch 33,5 Prozent erzielt. Noch schlimmer traf es die Pasok von Ex-Finanzminister Evangelos Venizelos, die mit 13 bis 14 Prozent auf dem dritten Platz landete. 2009 hatten 43,9 Prozent der Wähler für sie gestimmt.
Die beiden Traditionsparteien, die seit dem Ende der Militärdiktatur 1974 abwechselnd die Regierung stellten und seit November beide dem Übergangskabinett von Ministerpräsident Lucas Papademos angehören, wurden für die strikte Sparpolitik abgestraft, die dem hochverschuldeten Land von der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) im Gegenzug für Milliardenhilfen auferlegt wurde. "Die Regierungsparteien sind von einem Erdbeben erschüttert worden", konstatierte der als künftiger Außenminister gehandelte Panos Panagiotopoulos von der Nea Dimokratia.
Venizelos forderte am Wahlabend eine pro-europäische Regierung der nationalen Einheit. Nur so könne Griechenland die Krise überwinden, fügte am Sonntagabend der ehemalige Finanzminister hinzu, der mit EU und IWF den strikten Sparplan für sein Land ausgehandelt hatte. Auch Samaras will eine Einheitsregierung bilden. Als Vorsitzender der Partei, die bei der Wahl stärkste Kraft wurde, wolle er sich als "Säule der Stabilität" um die Bildung einer "Regierung zum nationalen Wohl" bemühen.
Profitieren von der Unzufriedenheit der Bevölkerung konnten radikale Parteien auf beiden Seiten des politischen Lagers. Die Syriza erhielt den Prognosen zufolge 15,5 bis 17 Prozent der Stimmen, ein explosionsartiger Zuwachs nach gerade einmal 4,6 Prozent beim Urnengang vor drei Jahren. Erstmals im Parlament in Athen vertreten sein wird den Prognosen zufolge die Neonazi-Partei Chryssi Avgi (Goldene Morgenröte) mit etwa sieben Prozent der Stimmen.
Der Urnengang in Griechenland wurde in ganz Europa mit Spannung erwartet, weil von seinem Ausgang der weitere Kurs des Landes angesichts der Schuldenkrise abhängt. Während ND und Pasok das von den internationalen Geldgebern geforderte Sparprogramm zumindest lockern wollen, haben andere Parteien wie beispielsweise Syriza angekündigt, die mit der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF getroffene Vereinbarung aufkündigen zu wollen. Die Kommunistische Partei ihrerseits hatte im Wahlkampf gar den Ausstieg aus der Eurozone gefordert - für sie stimmten den Prognosen zufolge zwischen acht und 9,5 Prozent der Wähler.
Angesichts des sich in den Prognosen abzeichnenden Ergebnisses blieb am Sonntagabend vorerst völlig unklar, wie eine künftige Regierung und damit der weitere Kurs des Landes in der Schuldenkrise aussehen dürfte.
Noch keine Kommentare vorhanden