Zweitägiger UN-Sondergipfel zur Pandemie gestartet

Guterres warnt vor jahrzehntelangen Nachwirkungen der Corona-Krise

New York (AFP) - UN-Generalsekretär António Guterres hat vor den langfristigen Folgen der Corona-Pandemie gewarnt. Der Impfstoff sei kein Allheilmittel, erklärte er zum Auftakt eines zweitägigen virtuellen UN-Sondergipfels zur Corona-Krise am Donnerstag. "Machen wir uns nichts vor. Ein Impfstoff kann keinen Schaden beheben, der Jahre, ja sogar Jahrzehnte andauern wird", sagte Guterres. "Die extreme Armut nimmt zu; es droht eine Hungersnot. Wir stehen vor der größten globalen Rezession seit acht Jahrzehnten."

UN-Generalsekretär Guterres Bild anzeigen UN-Generalsekretär Guterres © AFP

Die Corona-Krise, die weltweit fast 1,5 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, habe Probleme wie die Ungleichheit und den Klimawandel verschärft, fügte der UN-Generalsekretär hinzu.

Staats- und Regierungschefs aus mehr als hundert Ländern nehmen an dem Videogipfel teil, bei dem über globale Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beraten wird. Die Vertreter der UN-Mitgliedstaaten werden dabei vorab aufgezeichnete Reden halten.

Der Beitrag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Nachmittag oder Abend (Ortszeit) erwartet. Wichtige Entscheidungen der UN-Vollversammlung werden auf dem Sondergipfel voraussichtlich nicht getroffen.

Guterres appellierte an die Staaten, einen weltweiten fairen Zugang zu Impfstoffen zu ermöglichen. Die Vakzine müssten als "globales öffentliches Gut" betrachtet werden. Er rief die Staatengemeinschaft auf, in diesem Zusammenhang eine Finanzierungslücke von 4,3 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) in den nächsten zwei Monaten zu schließen.

Mehr als 180 Länder haben sich der Corona-Impfstoff-Initiative Covax angeschlossen, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO für eine gerechte weltweite Verteilung von Corona-Impfstoffen ins Leben gerufen worden war. Die USA und Russland lehnen eine Teilnahme hingegen ab.

Mehrere deutsche Hilfsorganisationen forderten vor dem Gipfel eine entschlossene internationale Zusammenarbeit in der Pandemie-Bekämpfung. "Nationale Abschottung und eine Abkehr vom Multilateralismus sind nicht zielführend. Globale Krisen können nur gemeinschaftlich gelöst werden", heißt es in einem Positionspapier des Bündnisses Entwicklung Hilft, in dem sich elf deutsche Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben.

Die Hilfsorganisation One forderte die Staaten auf, die Covax-Impfinitiative zu unterstützen, und warnte ebenfalls vor "Impfnationalismus". Dieser sei gegenwärtig die größte Gefahr für den Erfolg in der Corona-Bekämpfung.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis sprach sich dafür aus, dass reichere Staaten wie Deutschland Impfstoff gegebenenfalls auch an ärmere Länder abgeben müssten. "Die Pandemie schlägt weltweit zu, sie ist erst vorbei, wenn alle Länder sie besiegt haben", erklärte sie.