Gontarewa sieht sich nach einer Serie von Zwischenfällen von "Terror" bedroht

Haus der Ex-Chefin der ukrainischen Zentralbank nach Anschlag ausgebrannt

Kiew (AFP) - Die frühere Chefin der Zentralbank in der Ukraine, Walerija Gontarewa, sieht sich durch eine Serie von Gewalttaten bedroht. Unbekannte verübten am Dienstag einen Brandanschlag auf ihr Haus, der das Gebäude zerstörte, wie die Polizei mitteilte. Gontarewa, die sich in London aufhält, sagte der Agentur Interfax-Ukraine mit Blick auf weitere Vorfälle: "Der Terror geht weiter."
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Gontarewa im Juni 2014 © AFP

Im August war die 54-Jährige in Großbritannien von einem Auto umgefahren worden und musste danach operiert werden. Anfang September wurde der Wagen ihrer Schwiegertochter in der ukrainischen Hauptstadt Kiew in Brand gesetzt.

Das ausgebrannte Haus Gontarewas befindet sich in einem Dorf rund 20 Kilometer nördlich von Kiew. Die ukrainische Zentralbank verurteilte den Anschlag als einen "Versuch zur Einschüchterung von Reformern", deren Aktivitäten "gelähmt" und die "zum Schweigen gebracht" werden sollten. Es könne nicht länger nur von einer Serie von Zwischenfällen die Rede sein, sondern es handle sich um "Terror".

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem "brutalen Verbrechen", das rasch aufgeklärt werden müsse. Nach den ersten Ermittlungen der Polizei wurde in Gontarewas Haus auch eingebrochen. Gontarewa ist eine Vertraute des früheren Präsidenten Petro Poroschenko. Sie wurde 2014 kurz nach dem Beginn des Konflikts in der Ostukraine an die Spitze der Zentralbank berufen.

2017 erklärte sie ihren Rücktritt, nachdem sie unter den Druck von Oligarchen und Parlamentariern geraten war, weil sie die ukrainische Währung abgewertet hatte. In der vergangenen Woche wurde Gontarewas Wohnung in Kiew im Zusammenhang mit Untersuchungen wegen Amtsmissbrauchs durchsucht.

Zu den Kontrahenten Gontarewas zählte unter anderen der Oligarch Igor Kolomoiski, der gute Verbindungen zu Selenskyj hat. Gontarewa warf Kolomoiski vor, Milliardensummen aus der ukrainischen PrivatBank abgezweigt zu haben, ehe sie 2016 verstaatlicht wurde. Der Fernsehsender, in dem "Diener des Volkes" und andere Sendungen mit dem früheren Schauspieler Selenskyj liefen, gehört Kolomoiski.

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