Tulle (AFP) - In seiner Wahlheimat Tulle im zentralfranzösischen Département Corrèze hat der künftige französische Präsident François Hollande der Nazi-Verbrechen in der Kleinstadt gedacht. Der Sozialist legte einen Blumenstrauß am Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer nieder. In der heute rund 16.000 Einwohner zählenden Stadt, in der Hollande von 2001 bis 2008 Bürgermeister war, hatte die SS-Panzerdivision "Das Reich" 1944 ein Massaker verübt. 99 Männer wurden gehängt und 200 weitere deportiert, von denen die Hälfte nicht mehr nach Tulle zurückkehrte.
Die SS-Panzerdivision "Das Reich", die zunächst in Russland im Einsatz war, wurde im Frühjahr 1944 nach Frankreich verlegt. Nach der Invasion der Alliierten in der nordfranzösischen Normandie am 6. Juni 1944 verübten die Mitglieder der Division im Raum Tulle-Limoges eine Reihe brutaler Massaker auch an Zivilisten.
Die 99 Geiseln in Tulle wurden am 9. Juni 1944 erhängt. Als besonders grausam ist jedoch das Massaker einen Tag später in dem nicht weit entfernten Ort Oradour-sur-Glane bei Limoges in Erinnerung: Etwa 200 Mitglieder der SS-Division "Das Reich" ermordeten dort 642 Zivilisten, darunter 247 Kinder. Sie pferchten die Männer des Dorfes in einer Scheune ein und erschossen sie mit Maschinengewehren. Frauen und Kinder wurden in der Dorfkirche eingesperrt, die angezündet wurde. Der Ort wurde zum Symbol für die Grausamkeiten der Nazi-Besatzung in Frankreich (1940-1944).
Hollandes Besuch in Tulle war zugleich der Abschied des künftigen Präsidenten von seinen Funktionen als politischer Repräsentant der Corrèze, für die er als Abgeordneter in der Nationalversammlung saß und Vorsitzender des Kreisrates war. Hollande hatte auch im Wahlkampf viele Wochenenden sowie den Wahlabend am Sonntag in Tulle verbracht. Von dort aus richtete er nach seinem Sieg über den konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy auch seine ersten Worte an die Franzosen. Der Sozialist tritt am Dienstag sein Amt als Präsident an.