"Zusammen mit Frau Merkel haben wir die Pflicht dafür zu sorgen, dass unsere gemeinsamen Interessen eine Kraft für das gesamte Europa darstellen können", sagte der sozialistische Staatschef. Merkel und er seien sich einig darin, dass die übrigen Staaten eingebunden werden müssten. "Manchmal konnten sich bestimmte Länder ausgeschlossen oder gezwungen fühlen, einen Kompromiss zu akzeptieren, der bereits von unseren beiden Ländern ausgehandelt wurde", sagte Hollande.
Sicherlich könne es nicht vorangehen, wenn sich Frankreich und Deutschland nicht einig seien, sagte Hollande. "Aber wir müssen bei jedem Schritt darauf achten, dass Europa stärker werden kann." Hollande hatte nach der Wahl Anfang Mai seinen konservativen Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy abgelöst, mit dem Merkel eng zusammengearbeitet hatte. Berichte über ein angespanntes Verhältnis zu Merkel hatte Hollande zuvor zurückgewiesen. Beim EU-Gipfel Ende Juni unterstützte er die Position Italiens und Spaniens, die Merkel Zugeständnisse bei der Verwendung der Gelder aus den Euro-Rettungsfonds abtrotzten.
Hollande und Merkel werden am Sonntag mit einem Treffen in Reims die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags einleiten. In der Kathedrale von Reims hatten am 8. Juli 1962 der französische Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) an einer "Messe für den Frieden" teilgenommen. Wenige Monate später unterzeichneten sie den Elysée-Vertrag, der die Aussöhnung Deutschlands und Frankreichs besiegelte.
De Gaulle und Adenauer hätten damals "Mut und Weitsicht" bewiesen, sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. "Sie haben die Bedenken Vieler beiseite getan und haben einen Neuanfang gewagt; einen einzigartigen Neuanfang, der international zu einer der bedeutendsten Freundschaften geführt hat - der deutsch-französischen Freundschaft." Heute laute der Auftrag, "Deutschlands und Frankreichs Kraft und Stärke einzubringen zum Wohle eines vereinigten Europa."
Schon de Gaulle und Adenauer hätten die deutsch-französische Freundschaft als unerlässlichen Schritt auf dem Weg zu einem vereinigten Europa erkannt, sagte Merkel. Dies habe "auch angesichts der aktuellen Herausforderungen" Bestand. Sie werde in Reims noch einmal deutlich machen, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam daran gehen, "die Aufgaben unserer heutigen Zeit zu lösen".
Auch der Koalitionspartner der CDU/CSU hob die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen hervor. "Deutschland und Frankreich sind aufeinander angewiesen", sagte FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle der "Welt am Sonntag". Er setze darauf, dass "nach dem Wahlkampf in Frankreich das Maß an Gemeinsamkeit wieder zunimmt".
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