Drusen töten syrischen Patienten

Israel will nach Lynchakt auf Golan hart durchgreifen

Madschdal Schams (AFP) - Nach einem Lynchakt, bei dem ein syrischer Verwundeter während eines Krankentransports getötet wurde, hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ein hartes Durchgreifen gegen gewaltbereite Drusen auf den besetzten Golanhöhen angekündigt. "Wir sind ein Rechtsstaat und nicht Teil der Anarchie, die um uns herum ausbricht", sagte Netanjahu. Der Vorfall vom Montagabend wurde von Führern der ethnischen und religiösen Minderheit der Drusen entschieden verurteilt.
Israelische Drusen greifen Krankenwagen mit Syrern an Bild anzeigen
Israelische Drusen greifen Krankenwagen mit Syrern an © AFP

Den Hintergrund bilden die jüngsten Entwicklungen in Syrien, wo Wohngebiete der Drusen in den vergangenen Wochen verstärkt von Aufständischen angegriffen wurden. Zwei verwundete syrische Männer sollten von einer Ambulanz der israelischen Armee in ein Krankenhaus gebracht werden, als Dutzende Drusen aus der Kleinstadt Madschdal Schams das Fahrzeug mit Steinwürfen stoppten, die beiden Patienten herauszogen und auf sie einprügelten. Einer der beiden Männer verstarb kurz darauf, der andere wurde schwer verletzt. Die beiden begleitenden Soldaten erlitten leichte Verletzungen, berichtete die Polizei.

Netanjahu bezeichnete den Vorfall als "sehr ernst. Wir werden niemanden das Recht in die eigenen Hände nehmen und die Armee davon abhalten lassen, ihren Auftrag auszuführen", erklärte der Ministerpräsident. Israel behandelt seit mehr als zwei Jahren verletzte Syrer, die an der Grenze um Hilfe bitten. Sie werden in einem Feldlazarett auf dem Golan versorgt, schwerere Fälle in Krankenhäusern. Nach Genesung kehren die Syrer in ihr Land zurück.

Die rund 700.000 Drusen in Syrien haben sich im mehr als vier Jahre währenden Bürgerkrieg mehrheitlich auf die Seite der Regierung gestellt, aber weitgehend auf die Verteidigung ihrer eigenen Wohngebiete beschränkt. Die 110.000 Drusen im Norden Israels und ihre 20.000 Glaubensbrüder auf dem besetzten Golan, die sich weiter als Syrer sehen, protestierten zuletzt heftig gegen medizinische Hilfe für syrische Aufständische.

"Die werden hier gesundgepflegt und schießen dann wieder auf unsere drusischen Verwandten", kritisierten in Madschdal Schams mehrere Demonstranten im Gespräch mit AFP. Israel hatte 1967 zwei Drittel der Golanhöhen (120.000 Quadratkilometer) besetzt.

Scheich Muwafak Tarif, geistliches Oberhaupt der israelischen Drusen, berichtete der AFP am Dienstag, bei einer Dringlichkeitssitzung der religiösen und politischen Führer der Drusen sei "diese Tat entschieden und einhellig verurteilt worden. So wurden wir nicht erzogen. Es schmerzt uns, was diese Gesetzlosen angerichtet haben." Tarif betonte, an dem Treffen hätten auch die Führer der Golan-Drusen teilgenommen.

Der israelische Armeesprecher bestritt, dass es sich bei den transportierten Syrern um Aufständische gehandelt habe. "Die Behauptung, wir würden der Nusra-Front helfen, ist unwahr", sagte Brigadegerneral Moti Almos im Militärrundfunk unter Bezug auf den syrischen Ableger des Al-Kaida-Netzwerks. Sprecher der militärischen Sanitätsdienste hatten in der Vergangenheit eingeräumt, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass unter den mehr als 1600 Syrern, die inzwischen in Israel gepflegt wurden, vereinzelt auch Rebellen waren.

Armeesprecher Arje Schalikar erläuterte auf Anfrage: "Wir unterscheiden bei medizinischer Hilfe nicht nach Rasse, Hautfarbe oder Religion. Wir retten das Leben derjenigen, die uns an der Grenze um Hilfe bitten."

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder