Britischer Premierminister wird Bericht zufolge mit Sauerstoff behandelt

Johnson führt Regierungsgeschäfte wegen Corona-Infektion vom Krankenhaus aus

London (AFP) - Trotz seiner Coronavirus-Infektion führt Großbritanniens Premierminister Boris Johnson die Regierungsgeschäfte vom Krankenhaus aus weiter: Auch während seines Klinikaufenthalts werde der Premier laufend über die aktuelle Entwicklung informiert und leite weiterhin die Regierungsgeschäfte, sagte Wohnungsbauminister Robert Jenrick am Montag in der BBC. Wegen andauernder Corona-Symptome war Johnson am Sonntagabend auf Anraten seines Arztes in eine Klinik gebracht worden.

Johnson während einer Videokonferenz am 28. März Bild anzeigen Johnson während einer Videokonferenz am 28. März © AFP

Johnson hatte seine Coronavirus-Infektion Ende März öffentlich gemacht. Nach gut einer Woche in Quarantäne mit Fieber wurde der 55-Jährige am Sonntagabend in ein Krankenhaus eingeliefert. Nach einem Bericht der "Times" wird er dort mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Johnsons Büro hatte die Krankenhauseinweisung als "Vorsichtsmaßnahme" bezeichnet.

Johnson meldete sich am Montag über den Kurzbotschaftendienst Twitter aus dem Krankenhaus. Er sei "guter Stimmung" und stehe weiterhin in Kontakt mit seinem Team, mit dem er an einer Eindämmung der Pandemie arbeite. Der Premier dankte zudem den "brillanten Mitarbeitern" des britischen Gesundheitssystems, "die sich in dieser schwierigen Zeit um mich und andere kümmern".

Laut Jenrick wird sich Johnson im Laufe des Tages Untersuchungen im Krankenhaus unterziehen. "Die Ärzte werden die wichtigen Vitalwerte wie die Sauerstoffsättigung überwachen", sagte der Biomediziner Rupert Beale am Francis-Crick-Institut. Darüber hinaus würden Blutuntersuchungen an Johnson vorgenommen sowie seine Leber- und Nierenfunktionen geprüft.

Seit Beginn der Corona-Krise habe Johnson "unglaublich hart" gearbeitet, sagte Jenrick. "Ich bin sicher, dass dies sehr frustrierend für ihn ist", fügte er mit Blick auf die andauernde Krankheit hinzu. Johnson sei jemand, der "zupacke" und die Regierung "an vorderster Front" anführen wolle. "Nichtsdestotrotz ist er voll und ganz für die Regierungsgeschäfte verantwortlich", betonte Jenrick.

Falls Johnson die Regierungsgeschäfte nicht mehr wahrnehmen kann, soll Außenminister Dominic Raab dies übernehmen. Raab leitete am Montagvormittag auch die tägliche Coronavirus-Krisensitzung der Regierung.

Eigentlich war damit gerechnet worden, dass Johnson bereits am vergangenen Freitag wieder öffentliche Termine wahrnehmen würde. In einer Videobotschaft erklärte er an diesem Tag jedoch, dass er sich zwar besser fühle, aber immer noch Fieber habe.

Aus Johnsons Umfeld waren Sorgen zu hören, wonach die Erkrankung des Premiers sich unter seiner hohen Arbeitsbelastung verschlimmert haben könnte. Viele der an der vom Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 leidenden Patienten zeigten Fieber- und Erschöpfungssymptome und nutzten die "Isolation, um zu schlafen und sich zu erholen", erklärte die Gesundheitsstaatssekretärin Nadine Dorries, die selbst eine Corona-Infektion überwunden hat. Johnson habe seine "Gesundheit riskiert und unseretwegen jeden Tag gearbeitet, um den Kampf gegen dieses abscheuliche Virus anzuführen", erklärte Dorries weiter.

Während Johnsons Quarantäne war seine schwangere Lebensgefährtin Carrie Symonds aus dem Amtssitz in der Downing Street ausgezogen. Am Samstag erklärte aber auch sie, dass sie seit einer Woche Symptome einer Coronavirus-Infektion zeige. Getestet wurde sie jedoch nicht.

Johnson ist weltweit der ranghöchste Politiker, bei dem eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde. Auch der britische Gesundheitsminister Matt Hancock und der Thronfolger Prinz Charles hatten sich mit dem Erreger Sars-Cov-2 infiziert, sind aber inzwischen beide wieder genesen.

US-Präsident Donald Trump erklärte am Sonntag, er sei "hoffnungsfroh und sicher", dass Johnson wieder gesund werde. Den britischen Premier bezeichnete Trump als einen "Freund" und als "großartigen Regierungschef".

Johnson war zu Beginn der Corona-Krise in die Kritik geraten, weil er restriktive Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie abgelehnt hatte. Inzwischen gilt im ganzen Königreich eine Ausgangssperre. Bis Sonntag wurden in Großbritannien rund 50.000 Corona-Infektionen nachgewiesen, fast 5000 Menschen starben.