Stuttgart (AFP) - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wirft der Bundesregierung vor, die Energiewende nicht schnell genug voranzubringen. Sie werde im Gegenteil durch fehlenden Netzausbau, fehlende Regelenergie und fehlende Speicherkapazitäten gebremst, sagte Kretschmann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Wir bekommen ernsthafte Zeitprobleme", warnte der Grünen-Politiker.
Zur Beschleunigung der Energiewende schlug Kretschmann vor, ein Ministerium zu schaffen, in dem die energiepolitischen Kompetenzen gebündelt werden. Initiative erwartet der Ministerpräsident zudem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "So etwas muss Chefsache sein", sagte er.
Kretschmann äußerte sich in dem Interview auch zur neuen Suche nach einem Atommüllendlager. Er halte es für "äußerst unwahrscheinlich", dass die Wahl am Ende wieder auf Gorleben in Niedersachsen fallen könnte, sagte er. Die Frage nach einem geeigneten Ort müsse in einem transparenten Prozess auf wissenschaftlichen Grundlagen mit "nationalem Konsens" erfolgen.