Präsident Meidinger fordert "völlig neues Hygienekonzept"

Lehrerverband für Maskenpflicht in Schulen bei Rückkehr zum Normaltrieb

Berlin (AFP) - In der Debatte um eine Rückkehr zum Normalbetrieb in den Schulen hat der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, eine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht gefordert. Wenn wieder alle Schüler einer Klasse in einem Raum säßen, sei eine Maskenpflicht "auch während des Unterrichts" sinnvoll, sagte Meidinger der "Bild"-Zeitung vom Samstag. "Allerdings erschwert das ordentlichen Unterricht", räumte er ein.
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Schülerin mit Maske in London © AFP

Die Kultusminister der Länder hatten am Freitag eine schnelle Rückkehr zum Regelbetrieb in den Schulen gefordert. Dies solle "so bald wie möglich" erfolgen, bekräftigte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Stefanie Hubig (SPD), am Samstag noch einmal im Deutschlandfunk. Die Entscheidungen müssen aber jeweils auf Landesebene getroffen werden.

Hubig machte aber auch deutlich: "Wir müssen natürlich sehen, dass wir keinen Regelbetrieb, Normalbetrieb wie vor Corona haben können". Besonders problematisch seien dabei die notwendigen Abstandsregeln. Würden diese Eingehalten, sei nur Schichtbetrieb in Verbindung mit weiterhin viel Fernunterricht möglich, verzichte man auf den Abstand von 1,5 Metern, "müssen wir natürlich auch entsprechend andere Hygieneregeln und vorsorgliche Maßnahmen treffen".

Wichtig sei vor allem eine große Stabilität der Gruppen, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin weiter, "das heißt, dass die Klassenverbände zusammen bleiben und nicht gemischt werden". Auch müsse es Rücksichtnahme auf Risikogruppen geben. Zu einer generellen Maskenpflicht in der Schule äußerte sich Hubig zurückhaltend, da "die Mimik, die Gestik im Unterricht ganz wichtig sei". Auch sei die Umsetzung einer solchen Vorgabe bei jüngeren Kindern schwierig. Dies müsse aber noch weiter mit Experten besprochen werden.

Auch Meidinger sagte, im Falle vollständiger Schulöffnungen sei ein "völlig neues Hygienekonzept" nötig. Bedingung sei "höchstmöglicher Gesundheitsschutz" für Lehrer, Schüler und deren Angehörige. Dafür müssten Klassen und Lerngruppen "vollständig" und den "ganzen Schultag über" getrennt werden. Außerdem schlug Meidinger umfassende und regelmäßige Corona-Tests von Lehrern und Schülern vor sowie Notfallpläne im Fall von ansteigenden Infektionen.

"Sollte sich erweisen, dass vollständige Schulöffnungen bundesweit zu einem starken Anstieg an Infektionsausbrüchen an Schulen führen, müsste diese Öffnung umgehend gestoppt und zurückgenommen werden", sagte der Lehrerverbands-Präsident.

Auf das Problem der Abstandsregeln hatte zuvor bereits Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hingewiesen. Sie sagte ebenfalls, bei einem Normalbetrieb an Kitas und Schulen sei der 1,5-Meter-Abstand nicht mehr zu halten.

Generell skeptisch zu weitgehenden Schulöffnungen äußerte sich der Präsident des Weltärzteverbandes, Frank Ulrich Montgomery. "Für maximalen Infektionsschutz müssten die Kinder noch daheimbleiben", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag. Dies sei allerdings aus psychologischen und pädagogischen Gründen problematisch. Gleichwohl bleibe eine vollständige Öffnung der Schulen riskant, solange es keine Impfung und keine Behandlung gegen das Coronavirus gebe.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte im "Spiegel" ebenfalls vor einem überhasteten Wiedereinstieg in den normalen Schulbetrieb gewarnt. Es müsse alles getan werden, "damit die Schulen nicht zu Infektionsherden werden".

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