Sollte Lafontaine wieder für den Vorsitz kandidieren, würde er dies unterstützen, sagte Ernst. Er verwies darauf, dass Lafontaine die Partei mit den Wahlerfolgen unter seiner Führung nach vorn gebracht habe. Auch der Parteivorstand könne sich vorstellen, dass der saarländische Fraktionschef an "vorderer Stelle" in einer "kooperativen Führung" arbeiten werde, sagte Ernst weiter. Eine Kandidatur Lafontaines werde im Vorstand aber unterschiedlich bewertet. Der amtierende Parteichef ließ offen, ob er selbst noch einmal antritt.
Lafontaine sagte im Deutschlandradio Kultur, er werde erst nach einer gemeinsamen Sitzung des geschäftsführenden Bundesvorstands und der Landesvorsitzenden am Dienstag eine Entscheidung über seine zukünftige Rolle fällen. "Ich werde mir zuerst anhören, was die anderen sagen." Lafontaine betonte zugleich, die Weichen für die Bundestagswahl müssten jetzt gestellt werden. Wer den Parteivorsitz übernehme, müsse auch die Hauptverantwortung für die Bundestagswahl tragen. Er appellierte an die Linke, die "albernen" Diskussionen über Personen und Ämter einzustellen.
Bartsch, der schon im November 2011 seine Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt hatte, sagte dem RBB-Inforadio: "Dieses Angebot steht weiterhin". Er erfahre viel Zustimmung auch aus den alten Ländern. "Die gesamtdeutsche Linke ist alternativlos. Wir brauchen die Partei vom Bodensee bis nach Rügen. Es müsse allerdings zur Kenntnis genommen werden, "dass wir in den neuen Ländern linke Volkspartei sind".
Bartsch habe in der Vergangenheit bewiesen, dass er die Partei organisieren und auch führen könne, sagte der Berliner Landesvorsitzende Klaus Lederer dem "Tagesspiegel". Mit Blick auf angebliche Bedingungen Lafontaines für eine Kandidatur sagte Lederer: "Wir sind nicht in einer Tarifverhandlung. Innerparteiliche Erpressungsmanöver sind das Letzte, was wir jetzt gebrauchen können." Nach Angaben von "Spiegel Online" verlangt Lafontaine, dass seine Lebensgefährtin Sahra Wagenknecht Fraktionsvorsitzende neben dem Amtsinhaber Gregor Gysi wird. Gysi hat dies bisher aber abgelehnt.
Lafontaines Verhalten sorgte erneut für Kritik. Er hätte schon "vor Wochen die Karten auf den Tisch legen können", sagte der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow, zu "Spiegel Online". "Jetzt tritt er plötzlich mit dem Gestus des Retters auf, der uns zeigen will, wie man die Partei wieder nach vorne bringt. Das passt nicht zu einer emanzipatorischen Linken."
Die Linke will auf ihrem Göttinger Parteitag am 2. und 3. Juni eine neue Führung wählen. Es wird nicht ausgeschlossen, dass sich die Führungsgremien am Dienstag nicht einigen und es in Göttingen zu einer Kampfabstimmung kommt. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte die Linke herbe Verluste erlitten und landete bei 2,5 Prozent. Eine Woche zuvor war sie in Schleswig-Holstein mit 2,2 Prozent gescheitert.
Noch keine Kommentare vorhanden