Politiker und Verbände fordern härtere Gegenmaßnahmen

Mehr als 10.000 Corona-Tote und weiter steigende Infektionszahlen

Berlin (AFP) - Die Zahl der nach einer Corona-Infektion Verstorbenen in Deutschland hat die Schwelle von 10.000 Fällen überschritten, die Zahl der Neuinfektionen stieg am Wochenende auf einen neuen Höchststand. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rief angesichts der dramatischen Lage erneut eindringlich dazu auf, Kontakte einzuschränken. Auch wurden zunehmend Forderungen nach schärferen Abwehrmaßnahmen laut.
Menschen mit Atemschutzmasken in Dortmunder Fußgängerzone Bild anzeigen
Menschen mit Atemschutzmasken in Dortmunder Fußgängerzone © AFP

Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab am Sonntagmorgen die Zahl der Corona-Toten mit 10.032 an, die Zehntausender-Grenze war bereits am Tag zuvor knapp überschritten worden. Die Zahl der Neuinfektionen stieg - einschließlich einiger Nachmeldungen - im RKI-Bericht von Samstagmorgen auf den Rekordwert von 14.714 Fällen. Am Sonntag, an dem wegen des Wochenendes üblicherweise weniger Meldungen an das RKI erfolgen, lag die Zahl der Neuinfektionen mit 11.176 doppelt so hoch wie eine Woche zuvor.

"Das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren, viel weniger Menschen treffen", sagte Merkel in ihrem wöchentlichen Video-Podcast. "Der vergleichsweise entspannte Sommer ist vorbei, jetzt stehen uns schwierige Monate bevor", warnte die Kanzlerin. Alle müssten Begegnungen außerhalb der eigenen Familie eine Zeitlang deutlich verringern.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) forderte, wegen der hohen Infektionszahlen zügig schärfere Gegenmaßnahmen ins Auge zu fassen. Die Länderchefs sollten bei ihrer am Freitag geplanten nächsten regulären Konferenz beraten, "ob weitere Schritte erforderlich sind", sagte Schwesig der "Bild"-Zeitung.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) drängte auf eine neue, bundesweite Verständigung, möglicherweise auch auf einen neuen Lockdown, um Infektionsketten zu unterbrechen. "Wenn es uns in den kommenden zwei bis drei Wochen nicht gelingt, die persönlichen Kontakte zu beschränken, werden die Zahlen in wenigen Wochen so stark gestiegen sein, dass uns nur noch ein erneuter Lockdown bleibt", warnte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der "Bild am Sonntag".

Ein härteres Vorgehen gegen die Pandemie verlangte auch der Präsident des Großhandels-Branchenverbandes BGA, Anton Börner. Notwendig sei jetzt "ein noch viel stärkeres Herunterfahren des öffentlichen Lebens", sagte er der "BamS". "„Je länger wir damit warten, umso größer wird der Schaden für die Gesundheit der Menschen und auch für die Wirtschaft."

Keinen Engpass gibt es bislang bei der Versorgung von Corona-Infizierten in Krankenhäusern. Allerdings stieg die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-Patienten am Sonntag laut dem offiziellen Divi-Intensivregister im Tagesvergleich um 93 weitere Fälle auf 1296 an. Dies sind 68,5 Prozent mehr als eine Woche zuvor. Davon wurden 578 invasiv beatmet.

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck stellte sich in der "Welt am Sonntag" hinter Forderungen nach einer stärkeren Einbeziehung der Parlamente in der Krise. Dies erhöhe die Legitimation von Corona-Schutzmaßnahmen. Vor "aktionistischem Übereifer" im Kampf gegen die Pandemie warnte FDP-Vize Wolfgang Kubicki im Magazin "Cicero".

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, warnte in der "BamS" davor, andere notwendige medizinische Untersuchungen und Behandlungen aus Furcht vor einer Corona-Infektion zu verschieben.

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