Die schwersten Anschläge ereigneten sich nach Angaben von Ärzten und Sicherheitsbeamten in der Stadt Hilla, rund 95 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad. Dort rissen zwei Sprengsätze mindestens 20 Menschen in den Tod. In Bagdad wurden durch etwa ein dutzend Detonationen mindestens 28 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. Auch die Orte Kerbela, Balad, Asisija, Falludscha, Bakuba, Kirkuk und Mossul waren betroffen.
Die Anschläge richteten sich gegen schiitische Pilger, die eine Gedächtnisfeier für einen Imam aus dem achten Jahrhundert vorbereiteten. Unter anderem explodierte im Norden Bagdads eine Autobombe in der Nähe des Mausoleums des Imams Mussa al-Kasem. Der siebte von zwölf Imamen wird von der Strömung der Zwölferschiiten verehrt. Für die Feierlichkeiten zu seinem Todestag am Montag waren bereits zahlreiche Pilger angereist, zehntausende wurden noch erwartet.
Die Detonation bei dem Mausoleum habe einen zwei Meter tiefen Krater in den Boden gerissen, berichtete ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP. Ein Anwohner sagte, dass er die Leichen von zwei Kindern und einer Frau geborgen habe. "Ein Bus explodierte am frühen Morgen, alle schliefen noch, zunächst konnte ich nichts sehen, weil alles voller Rauch war", sagte der Zeuge. Ein weiterer Anwohner berichtete, dass die Explosion das Dach seines Hauses zerstört und er Kinder aus den Trümmern geborgen habe.
Im nördlichen Kirkuk wurde ein AFP-Journalist schwer verletzt. Der 34-jährige Marwan Ibrahim erlitt zahlreiche Verbrennungen, Prellungen, Blutergüsse am Kopf und Blutungen, als sein Wagen von einer Autobombe getroffen wurde. Ibrahim befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Weg zu einem Anschlagsort im Nordosten von Kirkuk.
Es war die schwerste Gewalt im Irak seit zehn Monaten. Am 15. August 2011 waren bei Anschlägen 74 Menschen getötet worden. Der letzte größere Anschlag ereignete sich am 4. Juni in Bagdad, als ein Selbstmordattentäter mit einer Autobombe 25 Menschen tötete.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte die Anschläge. Er appellierte an die Regierung in Bagdad, die schwelende Regierungskrise zu beenden und an einer demokratischen Entwicklung zu arbeiten. Im Irak herrscht eine politische Krise, die unter anderem von tiefen Differenzen zwischen Schiiten und Sunniten geprägt ist.
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