Explosionen erschüttern libysche Hauptstadt - UNO berät über Feuerpause

Mindestens sechs Menschen bei Raketenangriffen auf Tripolis getötet

Tripolis (AFP) - Die Zahl der Todesopfer nach Raketenangriffen in Libyens Hauptstadt Tripolis ist am Mittwoch auf sechs gestiegen. Drei der beim Beschuss der südlichen Stadtteile Abu Slim und Al-Antisar getöteten Menschen seien Frauen gewesen, erklärte das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha). Die UN-gestützte Regierung der nationalen Einheit (GNA) machte die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar für die Angriffe verantwortlich. Der UN-Sicherheitsrat in New York begann unterdessen mit Verhandlungen über eine Waffenruhe.
Ausgebrannte Autos nach Raketenangriff in Tripolis Bild anzeigen
Ausgebrannte Autos nach Raketenangriff in Tripolis © AFP

Abu Slims Bürgermeister Abdelrahman al-Hamdi bestätigte die Opferzahlen der UNO und sprach von 35 Verletzten. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, erschütterten am späten Dienstagabend mindestens sieben heftige Explosionen das Stadtzentrum von Tripolis.

General Haftar hatte Anfang April eine Offensive auf Tripolis gestartet. Bei den heftigen Gefechten wurden nach UN-Angaben bereits mindestens 189 Menschen getötet und mehr als 816 weitere verletzt. Mehr als 18.000 Menschen befinden sich auf der Flucht.

Es war das erste Mal, dass das Stadtzentrum von Tripolis von den Gefechten betroffen war. Der international anerkannte Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch forderte den UN-Sicherheitsrat während einer Besichtigung der betroffenen Stadtteile auf, General Haftar für die "Rohheit und Barbarei" seiner Truppen zur Rechenschaft zu ziehen. Zudem kündigte er eine Klage gegen Haftar wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag an.

Haftars sogenannte Libysche Nationale Armee (LNA) machte "terroristische Milizen", welche die Hauptstadt kontrollieren würden, für die Raketenangriffe verantwortlich.

In New York verhandelten Mitglieder des UN-Sicherheitsrat über einen Resolutionsentwurf Großbritanniens, der eine sofortige Waffenruhe in Libyen fordert. Dabei brachte das mit Haftar verbündete Russland Einwände gegen Hinweise vor, die den abtrünnigen General kritisierten.

Großbritannien hatte gehofft, die Resolution bis spätestens Freitag zu verabschieden. Russlands UN-Gesandter Dmitri Polianski wies die Verantwortung für eine eventuelle Verzögerung zurück. "Es kommt auf sie an, nicht auf uns", sagte er ohne genauer auf Unstimmigkeiten einzugehen.

Im nordafrikanischen Libyen herrscht seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos. Die Regierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle. Haftar unterstützt eine Gegenregierung im Osten Libyens.

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