Gericht hatte Reuters-Journalisten zu langen Gefängnisstrafen verurteilt

Minister in Myanmar rechtfertigt Suu Kyis Schweigen zu Hafturteil gegen Reporter

Rangun (AFP) - Im Fall der wegen Landesverrats zu Gefängnisstrafen verurteilten Reuters-Journalisten in Myanmar hat ein Minister das Schweigen von Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi gerechtfertigt. "Kritik am Justizsystem käme einer Missachtung des Gerichts gleich", sagte Informationsminister Aung Hla Tun, ebenfalls ein ehemaliger Journalist der Nachrichtenagentur Reuters, am Dienstag. Suu Kyi, die selbst 15 Jahre unter der Junta in Myanmar unter Hausarrest stand, hatte mit ihrem Schweigens großen Unmut auf sich gezogen.
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Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi © AFP

Ein Gericht in Myanmar hat die Journalisten am Montag wegen Landesverrats zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt. Die beiden Reporter Wa Lone und Kyaw Soe Oo wurden auf Grundlage eines Gesetzes aus der Kolonialzeit für schuldig befunden, "Staatsgeheimnisse" verraten zu haben. Sie hatten über die Tötung von zehn Angehörigen der muslimischen Rohingya-Minderheit berichtet.

International wurde das Urteil scharf kritisiert, Suu Kyi äußerte sich bisher nicht. "Ich denke nicht, dass sie es tun wird", sagte ihr Informationsminister. Die Anwälte der beiden Verurteilten wollen gegen das Urteil in Berufung gehen. Myanmars Staatschef, der ein enger Verbündeter von Suu Kyi ist, könnte die beiden schließlich begnadigen.

Seit ihrer Verhaftung im vergangenen Dezember saßen der 32-jährige Wa Lone und der 28-jährige Kyaw Soe Oo im berüchtigten Insein-Gefängnis in Rangun ein. Nach Angaben eines Polizisten, der in einer Voranhörung aussagte, waren die beiden in eine Falle der Sicherheitsbehörden getappt. Der Polizeizeuge belastete einen Vorgesetzten. Dieser habe die Übergabe geheimer Dokumente an die Journalisten angeordnet, um sie anschließend festnehmen zu lassen.

Suu Kyi steht wegen ihres langen Schweigens zur Rohingya-Krise international in der Kritik. Myanmars Armee geht im nördlichen Bundesstaat Rakhine seit August mit brutaler Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya vor, fast 700.000 Menschen sind bereits ins Nachbarland Bangladesch geflohen. Die UNO stufte das Vorgehen der Armee gegen die Rohingya als ethnische Säuberungen an. In Myanmar wird Suu Kyi aber immer noch als Freiheitsikone verehrt.

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