Affäre zieht weite Kreise in der Politik

Murdoch muss in London zu Abhörskandal aussagen

London (AFP) - Der Medienmogul Rupert Murdoch hat vor einer Londoner Untersuchungskommission zur Presseethik seine Verbindungen zur britischen Machtelite heruntergespielt. Befragt nach den Beziehungen seines Medienkonzerns News Corp. zu führenden Politikern bis hin zur früheren Premierministerin Margaret Thatcher, erklärte Murdoch, er wolle "mit einigen Mythen aufräumen". Der 81-jährige Australier versicherte unter Eid, dass er "niemals einen Premierminister um etwas gebeten" habe.
Murdoch bei der Befragung Bild anzeigen
Murdoch bei der Befragung © AFP

Im vergangenen Jahr hatte Murdoch vor einem Parlamentsausschuss gesagt, dass er sich mit führenden britischen Politikern getroffen habe, darunter auch mit dem konservativen Premierminister David Cameron und dessen Labour-Vorgängern Gordon Brown und Tony Blair. Vor der richterlichen Presseethik-Kommission bezeichnete Murdoch jetzt Gerüchte als "unwahr", wonach er Cameron übelnehme, dass dieser die Untersuchungskommission im Zusammenhang mit dem Abhörskandal seiner Medien ins Leben gerufen habe. Ziel des richterlichen Ausschusses ist es, Lehren aus der Affäre zu ziehen und Empfehlungen für einen neuen Pressekodex auszuarbeiten.

Im Mittelpunkt des Skandals steht das inzwischen eingestellte Blatt "News of the World", dessen Reporter Anrufbeantworter von Prominenten, aber auch von Anschlags- und Entführungsopfern angezapft hatten. Am Dienstag hatte Murdochs Sohn James vor der Kommission ausgesagt, vom Ausmaß der Abhörmethoden nichts gewusst zu haben. Zugleich wurden neue E-Mail-Kontakte zwischen dem Medienkonzern und Beratern des konservativen Kulturministers Jeremy Hunt bekannt. Dabei ging es um das später gescheiterte Projekt von News Corp., sämtliche Anteile des Bezahl-Fernsehkonzerns BSkyB zu übernehmen.

James Murdoch erklärte, im Dezember 2010 mit Cameron über das Projekt gesprochen zu haben. Die oppositionelle Labour-Party verlangte den Rücktritt von Hunt, der auch für die Olympischen Spiele in diesem Sommer zuständig ist. Am Mittwoch erklärte Hunts Berater Adam Smith seinen Rücktritt.

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