Transport verspätet in Nordfrankreich gestartet

Nach Gefechten: Castor rollt Richtung Deutschland

Valognes (AFP) - Der nach Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei verspätet aus Nordfrankreich gestartete Castor-Transport hat am späten Abend seinen Weg in Richtung Deutschland fortgesetzt. Nach Angaben des französischen Netzwerks für Atomausstieg, Sortir du Nucléaire, passierte der Zug am Abend die Städte Rouen und Caen, wo mehrere Dutzend Atomkraftgegner friedlich demonstrierten.
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Castor-Transport in Nordfrankreich © AFP

Weitere Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet. Der Zug soll am Donnerstagvormittag in Ostfrankreich nahe der deutschen Grenze eintreffen. Wann und wo er die Grenze passieren soll, ist weiterhin nicht bekannt. Französische Atomkraftgegner halten die Route über Saarbrücken für die "wahrscheinlichste". Andere Alternativen sind die Grenzübergänge bei Straßburg und Lauterbourg im Nordelsass.

Der Zug war kurz nach 16 Uhr am Verladebahnhof Valognes nahe der Wiederaufbereitungsanlage La Hague abgefahren - mit rund eineinhalb Stunden Verspätung. Die Abfahrt wurde verzögert, weil sich mehrere hundert Demonstranten und Polizisten seit dem frühen Morgen regelrechte Gefechte geliefert hatten. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, die Demonstranten warfen mit Molotow-Cocktails und Steinen auf die Polizisten. Mindestens drei Menschen - zwei Demonstranten und ein Polizist - wurden nach Angaben der Behörden leicht verletzt. 16 Demonstranten wurden demnach festgenommen.

Der französische Atomkonzern Areva, der die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague betreibt, kritisierte die "inakzeptable" Gewalt" gegen den Transport. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace, die sich nicht an dem Aufruf zu den Blockaden beteiligt hatte, verurteilte die Gewalt auf beiden Seiten. In Frankreich sind rund 3000 Polizisten im Einsatz, um den Transport bis an die deutsche Grenze zu überwachen. In Deutschland, wo bis zum Wochenende mehrere Zehntausend Demonstranten erwartet werden, sind rund 19.000 Polizisten mobilisiert.

Aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague wird zum letzten Mal hoch radioaktiver Atommüll nach Deutschland zurückschickt. Ab 2014 sind noch Transporte aus der britischen Aufbereitungsanlage Sellafield geplant. Drei Jahre später soll dann im Zuge des Atomausstiegs Schluss mit der Wiederaufbereitung hochradioaktiven deutschen Atommülls im Ausland sein.

© AFP

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) forderte die Demonstranten zur Gewaltlosigkeit auf. "Es gibt ein Recht auf Demonstrationsfreiheit, es gibt aber kein Recht auf Gewalt", sagte er in Berlin. Zugleich versicherte Röttgen, die Bundesregierung stehe zu ihrer Verpflichtung, die bei der Nutzung der Atomenergie in Deutschland angefallenen radioaktiven Abfälle auch hierzulande zu entsorgen.

Dazu gehörten auch die Abfälle, die am Wochenende in Gorleben erwartet werden. Ein Endlager für den deutschen Atommüll gibt es nicht - die Eignung des Salzstockes Gorleben ist umstritten.

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