Neue Anschuldigungen gegen Teheran vor israelischen Parlamentswahlen

Netanjahu: Iran hat geheime Atomanlage zerstört

Jerusalem (AFP) - Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat dem Iran vorgeworfen, eine geheime Anlage zur Herstellung von Atomwaffen zerstört zu haben. Netanjahu sagte am Montag, Teheran habe den Standort in der Nähe der Stadt Abadeh im Zentrum des Landes zwischen Juni und Juli dieses Jahres vernichtet. Dies sei geschehen, nachdem die iranische Regierung mitbekommen habe, dass die Anlage von Israel entdeckt worden sei.
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Benjamin Netanjahu bei seiner Ansprache © AFP

In einer live vom Fernsehen übertragenen Ansprache sagte Israels Ministerpräsident: "Heute verkünden wir, dass eine weitere geheime Atomwaffenanlage mithilfe des aus Teheran beschafften Materials aufgedeckt wurde." Er bezog sich dabei auf Angaben aus dem vergangenen Jahr, wonach Agenten des israelischen Geheimdienstes Mossad ein "geheimes Atomarchiv" aus einem verfallenen Lagerhaus in der iranischen Hauptstadt nach Israel gebracht haben sollen.

Netanjahu führte nicht weiter aus, was in der mutmaßlichen Anlage in Abadeh genau geschehen sein soll. Israels Regierung wirft dem Iran vor, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu verfolgen. Teheran beharrt darauf, dass sein Atomprogramm allein friedlichen Zwecken diene.

Netanjahus jüngster Auftritt kommt nur wenige Tage vor den vorgezogenen Parlamentswahlen am 17. September. Der langjährige Ministerpräsident muss um seine Wiederwahl fürchten. Nach den Parlamentswahlen im April war er mit seinen Bemühungen für eine Regierungsbildung gescheitert.

Politische Gegner, wie der Oppositionelle Jair Lapid von der Mitte-Rechts-Liste Blau-Weiß, werfen Netanjahu vor, Geheimdienstinformationen für "Wahlpropaganda" zu nutzen. "Die iranische Atomfrage darf nicht für den Wahlkampf verwendet werden", schrieb Lapid auf dem Onlinedienst Twitter.

Teheran reagierte zuletzt mit einem schrittweisen Rückzug aus dem Atomabkommen auf den einseitigen Ausstieg der USA im Mai 2018. Die Europäer versuchen weiterhin, den Atomdeal aus dem Jahr 2015 aufrechtzuerhalten.

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