Trump: Habe "viel größeren und mächtigeren" Atomknopf als Kim Jong Un

Nord- und Südkorea kommunizieren erstmals seit zwei Jahren wieder über Hotline

Seoul (AFP) - Trotz neuer Provokationen von US-Präsident Donald Trump gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gehen Pjöngjang und Seoul weiter aufeinander zu: Nord- und Südkorea gaben am Mittwoch einen seit knapp zwei Jahren abgeschalteten Kommunikationskanal wieder frei und führten ein erstes Gespräch über die Leitung. Trump sorgte mit einer Twitter-Botschaft, wonach sein Atomknopf "viel größer und mächtiger" sei als der von Kim, für Empörung.
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Nord-Süd-Kommunikation im Jahr 2005 © AFP

Die Hotline zwischen Nord- und Südkorea, die im Februar 2016 wegen zunehmender Spannungen zwischen den beiden Ländern abgeschaltet worden war, wurde am Mittwoch wieder freigegeben. Es habe ein 20-minütiges Gespräch gegeben, sagte ein Vertreter des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Details wurden zunächst aber nicht bekannt.

Nord- und Südkorea hatten in den vergangenen Tagen vorsichtige Signale der Entspannung ausgesandt: Kims Neujahrsansprache wurde als Zeichen der Dialogbereitschaft mit dem Süden gewertet, am Dienstag schlug Seoul für kommende Woche Gespräche mit dem Norden auf hoher Ebene vor. Nordkorea kündigte daraufhin an, den Kommunikationskanal nach Südkorea wieder einrichten zu wollen. Seoul wertete den Vorstoß aus Pjöngjang als "sehr bedeutsam".

Trump sorgte dagegen mit einer Botschaft im Onlinedienst Twitter für Aufregung, in der er Nordkoreas Machthaber erneut verbal angriff. In der Erklärung vom Dienstag (Ortszeit) bezog er sich auf eine Äußerung Kims, der in seiner Neujahresansprache mit den Worten "Der Atomknopf ist immer auf meinem Tisch" erneut mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hatte.

"Kann jemand aus seinem ausgelaugten und ausgehungerten Regime ihm bitte sagen, dass ich auch einen Atomknopf habe", twitterte Trump. "Aber er ist viel größer und mächtiger als seiner, und mein Knopf funktioniert!"

Trumps Twitter-Botschaft sorgte international für Empörung. Trump und Kim "überbieten sich wie Halbstarke in Potenzvergleichen und bedrohen damit die ganze Welt", erklärte Sascha Hach von der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) am Mittwoch. Angesichts der "Kraftmeierei unberechenbarer Staatenlenker" gehörten Atomwaffen "verboten und abgeschafft".

Der demokratische US-Senator Ed Markey erklärte, Trumps Tweet grenze "an Amtsmissbrauch durch den Präsidenten". Auch der ehemalige Nationale Sicherheitsberater von Ex-US-Vize-Präsident Joe Biden reagierte entsetzt: "Unser Präsident ist ein Kind", twitterte Colin Kahl. "'Meiner ist größer als Deiner' mag auf dem Spielplatz taff klingen, aber das hier ist keine Sache unter Jugendlichen. Millionen Menschenleben stehen auf dem Spiel", schrieb er.

Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, erklärte, Trumps Tweet könne "nicht mehr als Sandkastenspielerei abgetan werden". "Atomwaffen sind kein Spielzeug!", erklärte Mützenich. Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, Trump "endlich öffentlich zu kritisieren". Europäische Regierungen müssten "unmissverständlich klarstellen, dass unter diesen Bedingungen und angesichts dieses Verhaltens eine langfristige sicherheitspolitische Zusammenarbeit kaum vorstellbar" sei. Nur dann würden auch die oppositionellen und kritischen Kräfte in den USA gestärkt.

Die USA hatten sich zuvor skeptisch bezüglich möglicher ranghoher Gespräche zwischen Nord- und Südkorea gezeigt. Die UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, sprach am Dienstag von einem "Heftplaster", sollten keine Anstrengungen zur atomaren Abrüstung unternommen werden. Eine Sprecherin des US-Außenministeriums warnte, Kim könne versuchen, einen Keil zwischen die USA und Südkorea zu treiben.

Kim hatte in seiner Neujahrsansprache auch angedeutet, sein Land könne an den Olympischen Winterspielen im Februar im südkoreanischen Pyeongchang teilnehmen. Der Chef des Organisationskomitees der Winterspiele, Lee Hee Beom, sagte am Mittwoch, Südkorea sei gut vorbereitet auf eine Teilnahme nordkoreanischer Sportler. Demnach steht ein Kreuzfahrtschiff bereit, um die Athleten aus dem Norden in den Süden zu befördern und während der Spiele zu beherbergen.

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