Zusammenstöße nach Geiselnahme in Polizeiwache

Offenbar 20 Tote in chinesischer Unruheprovinz Xinjiang

Peking (AFP) - Bei Zusammenstößen in der Unruheprovinz Xinjiang im Nordwesten Chinas sind nach Angaben von Exil-Uiguren 20 Menschen getötet worden. Die Uiguren hätten in der Stadt Hotan Polizeibeamte als Geiseln zu nehmen versucht, um inhaftierte Familienangehörige freizupressen, sagte der Sprecher des Welt-Uiguren-Kongresses, Dilxat Raxit. Die Behörden sprachen von einem "Terrorangriff" auf eine Polizeiwache mit vier Toten.
Proteste in Xinjiang Bild anzeigen
Proteste in Xinjiang © AFP

Nach Angaben des in München ansässigen Welt-Uiguren-Kongress wurden bei dem Angriff auf die Wache in der entlegenen Oasenstadt Hotan 14 Menschen totgeprügelt und sechs weitere erschossen. Raxit sprach von einem Ausbruch des Zorns in der Bevölkerung und warf den Behörden vor, Informationen zurückzuhalten. Die Lage in der Stadt am Rande des Tarim-Beckens bleibe angespannt, sagte Raxit. Die Zugangsstraßen seien gesperrt und mindestens 70 Menschen seien bei Razzien festgenommen worden.

Zahlreiche anti-chinesische Flugblätter zirkulierten in der Stadt, in denen die Freilassung von Gefangenen und die Unabhängigkeit der traditionell turksprachigen und muslimischen Region gefordert werde, sagte der Sprecher. Die lokalen Behörden wollten sich nicht zu dem Vorfall äußern. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete unter Berufung auf die Polizei in Hotan, Sicherheitskräfte hätten eine nicht spezifizierte Anzahl an Angreifern erschossen.

In Xinjiang gibt es seit langem Spannungen zwischen den Uiguren, einem muslimisch geprägten Turkvolk, und den zugewanderten Han-Chinesen. Im Juli 2009 erschütterten gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der beiden Volksgruppen die Provinzhauptstadt Urumqi. Innerhalb weniger Tage wurden nach Behördenangaben fast 200 Menschen getötet, die meisten von ihnen Han-Chinesen. Die Regierung machte damals "Separatisten" für die Gewalt verantwortlich, legte aber keine Beweise für einen organisierten Aufstand vor.

Die Uiguren und anderen ethnische Minderheiten in Xinjiang klagen seit langem über soziale Diskriminierung und ihre zunehmende Marginalisierung durch die Han-Chinesen. Die Han, die in China das Mehrheitsvolk sind, waren lange in Xinjiang in der Minderheit. Doch infolge massiver Zuwanderung hat sich in den vergangenen Jahren das Verhältnis zwischen den Völkern verschoben. Die Welle von Inhaftierungen, mit der die Behörden nach den Unruhen im Juli 2009 weitere Proteste zu verhindern suchten, hat die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft.

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