Mitglieder wegen rechter Äußerungen umstritten

Piraten streiten weiter über Umgang mit Rechtsradikalen

Berlin (AFP) - Der Streit in der Piratenpartei über den Umgang mit Rechtsradikalismus nimmt an Schärfe zu. Die Partei werde sich auf jeden Fall vom umstrittenen Mitglied Bodo Thiesen trennen, sagte der Berliner Abgeordnete Martin Delius mit Blick auf dessen Äußerungen zum Holocaust und zum Krieg von Nazi-Deutschland gegen Polen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy forderte die Piraten zur klaren Abgrenzung gegen Rechts auf.

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"Bodo Thiesen fliegt raus!", sagte Delius, parlamentarischer Geschäftsführer der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, dem Sender N24. Ein Parteiausschluss Thiesens war vor wenigen Tagen aus formaljuristischen Gründen gescheitert. "Was jetzt passiert ist, war ein formaler Fehler", sagte Delius und bekräftigte: "Wir werden aber dran bleiben."

Das Bundesschiedsgericht der Piratenpartei hatte einen Antrag des Parteivorstands zurückgewiesen, Thiesen auszuschließen. Dieser hatte nach Angaben der Piratenpartei unter anderem den Satz geäußert: "Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland jede Legitimation, Polen anzugreifen". Das parteiinterne Gericht begründete seine Ablehnung des Ausschlussantrags damit, dass Thiesens Äußerung aus dem Jahr 2008 von der Partei bereits mit einer Rüge geahndet worden seien.

Der ebenfalls umstrittene Vorsitzende der Berliner Piratenpartei, Hartmut Semken, will vorerst nicht zurücktreten. "Die Rücktrittsforderung ist eine hoch emotionale Überreaktion", sagte er der "Berliner Zeitung" vom Freitag. Zwar werde "eine Entscheidung zu treffen sein", sollte die mehrheitliche Zustimmung, die er derzeit erfahre, schwinden. Semken hatte in seinem Blog mehrmals für einen toleranten Umgang mit rechten Parteifreunden plädiert. Daraufhin hatten mehrere Berliner Piraten in einem offenen Brief seinen Rücktritt gefordert. Semken sei "komplett überfordert", hieß es darin.

Piraten-Geschäftsführerin Marina Weisband rief dazu auf, härter gegen Radikale in den eigenen Reihen vorzugehen. "Es ist Bullshit, dass wir rechtsextreme Meinungen tolerieren müssen", sagte Weisband zu "Spiegel Online". Zuvor hatte sie in einem Blog-Eintrag an ihre Partei appelliert, sich schärfer gegen problematische Mitglieder zu positionieren. Parteiausschlussverfahren allein seien keine Lösung. "Die Verbreiter dieser Meinungen und Lügen dürfen nicht auf Veranstaltungen eingeladen werden, keine Ämter bekommen, nicht für die Piraten sprechen", forderte sie.