Koran-Verteilaktion am Wochenende fortgesetzt

Politik fordert enge Überwachung von Salafisten

Berlin (AFP) - Das kostenlose Verteilen von Koranen in vielen deutschen Städten hat Rufe nach einer konsequenteren Aufklärung über die dafür veranwortlichen Salafisten in Deutschland hervorgerufen. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte ein bundesweites "Präventionskonzept" gegen Salafisten. Der Verein "Die wahre Religion" verteilte derweil am Wochenende erneut Korane in deutschen Innenstädten.
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Koran-Verteilung in Berlin © AFP

"Angesichts der Propaganda-Offensive der Extremistengruppe müssen wir alles daran setzen, dass junge Menschen nicht in die Fänge der Salafisten geraten", sagte Schünemann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Bewegung "hat erschreckende Erfolge sogar bei der Rekrutierung junger Frauen vorzuweisen, obwohl das Weltbild völlig frauenfeindlich ist".

Schünemann sagte, zwar seien nur wenige Salafisten offen gewalttätig, doch "nahezu alle islamistischen Terroristen westlicher Herkunft wurden durch salafistisches Gedankengut geprägt". Er kündigte einen Vorstoß für ein Präventionskonzept für die kommende Islamkonferenz am Donnerstag an.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, forderte ebenfalls "eine stärkere Aufklärung über die wahren Absichten der Salafisten". "Dass der Salafismus mit seiner Ideologie zum Radikalisierungsprozess von Menschen beitragen kann, hat beispielsweise der Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen im letzten Jahr gezeigt", sagte Ziercke der "Welt am Sonntag".

Der junge Täter Arid U. hatte im März 2011 in Frankfurt zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Er soll durch Kontakt mit dem Salafismus radikalisiert worden sein. Ziercke sagte, die Beobachtung der salafistischen Szene in Deutschland durch den Verfassungsschutz sei eine wichtige Voraussetzung, um Straftaten frühzeitig zu erkennen.

Der Vorsitzende des Islamrates und Sprecher des Koordinierungsrates der Muslime, Ali Kizilkaya, kritisierte die Debatte über die Salafisten als "etwas panisch". "Es ist grundsätzlich erlaubt, religiöse Schriften und damit auch den Koran zu verteilen", sagte Kizilkaya der "Frankfurter Rundschau". "Das ist so ähnlich, als würde man die Bibel verteilen." Allerdings seien die Salafisten "eine sehr umstrittene Gruppe".

Der hinter dem Verteilen des Korans stehende Prediger Ibrahim Abu Nagie sagte derweil der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", er werde die Aktion wie geplant fortsetzen. Das Verbreiten des Korans sei "die Pflicht" jedes Muslims. Er werde dieser Pflicht nachkommen, obwohl er täglich von Polizei und Verfassungsschutz "terrorisiert" werde und unter der "Medienhetze" leide.

Finanziert wird die Verteilaktion nach Angaben der Salafisten durch Spenden und den Verkauf von Koranen an Muslime. Der Chef des niedersächischen Verfassungsschutzes, Hans-Werner Wargel, geht nach eigenen Angaben aber von externen Geldgebern aus: "Wir haben Erkenntnisse, dass in der Vergangenheit Geldströme von der Arabischen Halbinsel an das salafistische Netzwerk in Deutschland geflossen sind", sagte er dem "Spiegel".

Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islam. Sie streben nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen islamischen Gottesstaat an, der mit der westlichen Demokratie unvereinbar ist. Die Behörden gehen derzeit von rund 4000 Menschen im salafistischen Umfeld in Deutschland aus. Davon sei etwa ein Dutzend als Führungspersönlichkeiten einzustufen.

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