Experte zweifelt an arbeitsmarktpolitischen Erfolgen

Politologe: Gesellschaft wurde durch Hartz IV brutaler

Berlin (AFP) - Der Politologe Christoph Butterwege hat eine negative Bilanz der Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt gezogen. Die Gesellschaft sei durch Hartz IV "inhumaner, unsozialer und brutaler" geworden, kritisierte Butterwege im Portal "n-tv.de". "Fordern und Fördern" sei damals das offizielle Motto gewesen, doch sei von dem Gedanken des Förderns nichts übriggeblieben: "Ich behaupte, man wollte die Arbeitslosen gar nicht fördern. Man wollte sie nur fordern, um nicht zu sagen, überfordern".
Bedürftige vor Demminer "Tafel" Bild anzeigen
Bedürftige vor Demminer "Tafel" © AFP

Butterwege äußerte auch Zweifel an der offiziell erfolgreichen Bilanz der Hartz-Reformen für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Zwar gebe es heute deutlich weniger Arbeitslose als vor zehn Jahren, doch sei dies ein Scheinerfolg. Nicht mehr in der Statistik erfasst würden beispielsweise alle Ein-Euro-Jobber, alle über 58-Jährigen und alle, die sich mit Hilfe privater Arbeitsvermittler um eine Stelle bemühten. All diese Menschen seien aber weiterhin arbeitslos. "Da wird mit statistischen Taschenspielertricks gearbeitet, um das Elend zu beschönigen", kritisierte der Politologe.

Die Kommission zur Reform des Arbeitsmarktes unter der Leitung des damaligen VW-Personalvorstandes Peter Hartz war genau vor zehn Jahren eingerichtet worden.

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