Politiker erwarten längere Dauer von Lockdown

RKI vermeldet mehr als 31.000 Corona-Neuinfektionen und 702 neue Todesfälle

Berlin (AFP) - In Deutschland haben sich am dritten Tag in Folge mehr als 30.000 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Samstagmorgen mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden 31.300 neue Ansteckungsfälle erfasst. Unter diesen Umständen äußerten mehrere Politiker die Erwartung, dass die aktuellen Einschränkungen noch länger andauern könnten.
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Intensivstation der Uniklinik Aachen © AFP

Am Freitagmorgen hatte das RKI 33.777 Neuinfektionen mit dem Coronavirus vermeldet. Darunter waren allerdings rund 3500 nachgemeldete Fälle, die eigentlich dem Donnerstag zuzurechnen waren. Einschließlich dieser Fälle ergab sich für Donnerstag ebenfalls ein Wert knapp über der Marke von 30.000.

Insgesamt wurden inzwischen bundesweit 1.471.238 Corona-Fälle verzeichnet. Die Zahl der Covid-19-Todesopfer in Deutschland stieg den RKI-Angaben vom Samstag zufolge um weitere 702 auf insgesamt 25.640. Der Inzidenzwert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg demnach auf 189,6. Das Ziel der Bundesregierung, die Inzidenz auf unter 50 zu drücken, bleibt damit in weiter Ferne.

"Stand heute sehe ich noch nicht, dass es am 10. Januar großartige Lockerungen geben kann", sagte daher NRW-Gesundheitsminister Karl-Joseph Laumann (CDU) der "Rheinischen Post". Bis zu diesem Tag gelten bislang die aktuellen Lockdown-Vorschriften, am 5. Januar wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen beraten. Im Vordergrund stünden weiterhin Kontaktbeschränkungen, sagte Laumann.

Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) wollte sich zur voraussichtlichen Dauer des Lockdowns nicht äußern. "Jeder weiß, dass der 10. Januar nur eine Zwischenstation sein wird", sagte aber auch er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Finanziell können wir den Lockdown lange durchhalten", hob Scholz hervor.

Nach Berechnungen der Krankenkasse Barmer, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtete, erkranken Pflegekräfte in Deutschland deutlich häufiger an Covid-19 als Angehörige anderer Berufsgruppen. Das Erkrankungsrisiko liege demnach um 56 Prozent über dem Durchschnittswert, hieß es unter Berufung auf eine Auswertung der Zahl und Ursache von Krankmeldungen. Die leitende Medizinerin der Barmer, Ursula Marschall, begrüßte dazu den vorgesehenen Vorrang für Pflegekräfte bei Impfungen.

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, rechnet ungeachtet der bald anlaufenden Impfungen weiter mit einer stark angespannten Lage in den Kliniken. "Die Impfungen werden sich im geringen Umfang auch auf den Intensivstationen wohl erst ab März oder April positiv niederschlagen", sagte er der "Rheinischen Post".

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierte, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Druck auf die Europäische Arzneimittelagentur EMA ausgeübt habe, um die Impfstoff-Zulassung zu beschleunigen. "Unter normalen Bedingungen hätte ich den Biontech-Pfizer-Impfstoff nicht zugelassen", sagte er in einem Interview für die ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Es mangele an Daten, Nebenwirkungen seien zu wenig erforscht, gab Ludwig zu bedenken. Wichtig seien jetzt transparente Informationen für die Bevölkerung. Mit der EU-Zulassung des Präparats von Biontech und Pfizer wird derzeit am Mittwoch gerechnet, am 27. Dezember sollen erste Impfungen in Deutschland beginnen.

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