Der Reformvorschlag geht demnach davon aus, dass zusätzliches Arbeitsvolumen "nicht in erster Linie durch eine Ausweitung der pro Kopf gearbeiteten Stunden, sondern durch die Schaffung von zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten" entsteht. Die Autoren der Untersuchung bezeichnen es als ein "Kernproblem" der bislang diskutierten Reformvorschläge, dass bisher die Sozialversicherungsabgaben und deren Zusammenspiel mit der Einkommensteuer vernachlässigt worden seien. "Dadurch wurde ein großer Teil der Abgaben an den Staat bisher nicht berücksichtigt."
Die IZA-Forscher Max Löffler, Hilmar Schneider, Andreas Peichl, Sebastian Siegloch und Nico Pesteler schlagen daher "ein integriertes Steuer- und Abgabensystem vor, das eine Steuerfinanzierung der Sozialsysteme beinhaltet". Dabei soll die Einkommensteuer deutlich vereinfacht werden. Die IZA-Forscher greifen in diesem Zusammenhang die Vorschläge des Ex-Verfassungsrichters Paul Kirchhof für eine drastische Vereinfachung des Steuersystems auf, gehen nach eigenen Angaben aber noch einen Schritt weiter "mit einer noch umfassenderen und breiteren Definition der steuerlichen Bemessungsgrundlage".
In der Studie wird ein progressiver Fünf-Stufen-Tarif vorgeschlagen, dessen Grenzsteuersätze die bisherigen Sozialversicherungsbeiträge und den Solidaritätszuschlag mit abdecken. So soll unter anderem für Jahreseinkommen von 30.000 Euro bis 40.000 Euro ein Grenzsteuersatz von 40 Prozent, von 40.000 bis 60.000 Euro von 50 Prozent und für Jahreseinkommen über 60.000 Euro ein Spitzensteuersatz von 60 Prozent gelten.
Die Forscher verweisen darauf, dass durch ihren Reformvorschlag insbesondere die Mittelschicht, die derzeit überproportional durch Sozialabgaben und Steuerzahlungen belastet werde, ihre "relative Nettoeinkommensposition verbessern" würde. Die Belastung der obersten zehn Prozent in der Einkommensverteilung werde hingegen erhöht. "Dies entspricht aktuellen Forderungen in der nationalen und internationalen Steuerdebatte, die reichsten Bevölkerungsgruppen stärker bei der Finanzierung der Folgen der Finanzkrise heranzuziehen", heißt es in der Studie.
Der IZA-Forscher Schneider sagte dem "Handelsblatt", die Studie verdeutliche auch, dass das Steuer- und Sozialsystem regelrecht durchzogen sei von "subtilen Mechanismen, die Frauen die Entscheidung für eine Berufstätigkeit erschweren". "Das können wir uns angesichts des demografischen Wandels nicht mehr leisten." Fragwürdig seien aus diesem Blickwinkel neben dem Ehegattensplitting beispielsweise die steuerbegünstigten Minijobs, durch die in vielen Fällen ein Umstieg auf vollwertige Arbeit steuerlich unattraktiv werde.
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