Intimes Video führte zu Rücktritt von Pariser Bürgermeisterkandidat Griveaux

Russischer Künstler Pawlenski wegen Veröffentlichung von Sex-Video festgenommen

Paris (AFP) - Der umstrittene russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski hat die Pariser Politik mächtig aufgemischt und für einen Skandal mit weitreichenden Folgen gesorgt. Am Sonntag wurde Pawlenski im Zuge der Ermittlungen wegen der Veröffentlichung eines Sex-Videos von der französischen Polizei in Gewahrsam genommen. Die intimen Aufnahmen hatten den Wunschkandidaten von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für die Pariser Bürgermeisterwahl, Benjamin Griveaux, am Freitag zum Rückzug gezwungen.
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Der russische Aktionskünstler Pjotr Pawlenski © AFP

Am Mittwochabend war auf einer Website ein Video mit Aufnahmen eines masturbierendes Mannes aufgetaucht, die Botschaften an eine Frau enthielten. Pawlenski behauptete, das Video stamme von Griveaux. Bei der Adressatin soll es sich um Pawlenskis Freundin handeln. Bis Donnerstag verbreitete es sich in zahlreichen Online-Diensten.

Der in Frankreich lebende Pawlenski sagte der Nachrichtenagentur AFP, er habe das Video veröffentlicht, um Griveaux "Scheinheiligkeit" nachzuweisen. Der Zeitung "Liberation" sagte der Aktionskünstler, der 42-Jährige halte immer wieder seine Familie hoch und bewerbe sich so für das Bürgermeisteramt in Paris. Sein wahres Verhalten stehe dazu aber in Widerspruch.

Der 35-jährige Pawlenski war am Samstag zunächst im Zusammenhang mit einer anderen Angelegenheit von der Pariser Polizei in Gewahrsam genommen worden. Am Sonntag erklärten die Behörden, dass er nun im Fall Griveaux vernommen werde. Außerdem wurde auch Pawlenskis Freundin in Gewahrsam genommen - nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf "Verletzung der Privatsphäre" und "Verbreitung von Bildern sexueller Natur ohne die Zustimmung der Person".

Der Anwalt von Griveaux, Richard Malka, nannte die Vorwürfe Pawlenskis "grotesk". Man habe es mit "Pseudo-Künstlern" zu tun, die sich in einer Diktatur wähnten und meinten, anderen Lektionen in Moral erteilen zu müssen. "Auch glaube ich nicht, dass er allein gehandelt hat", sagte Malka, ohne auszuführen, wer seiner Meinung nach noch hinter der Aktion stecken könnte.

Pawlenski, der im Frühjahr 2017 Asyl in Frankreich erhielt, ist wegen seiner "politischen" Aktionskunst umstritten. Im Oktober 2017 hatte er die Fassade einer Filiale der Banque de France in Brand gesteckt, um gegen deren "historisch beschämende" Präsenz an der Place de la Bastille zu protestieren. Dafür erhielt er eine Haftstrafe.

2013 sorgte er weltweit für Schlagzeilen, als er seinen Hodensack auf das Pflaster des Roten Platzes in Moskau festnagelte. Auch schnitt er sich ein Stück vom Ohr ab oder nähte sich aus Solidarität mit den Frauen der Protestgruppe Pussy Riot die Lippen zusammen.

Griveaux hatte am Freitag erklärt, zum Schutz seiner Familie nicht weiter für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Der Bürgermeisterkandidat beklagte "schändliche Attacken" gegen seine Familie. Mit der Verbreitung des Videos sei ein neues Ausmaß erreicht worden. Griveaux erstattete Anzeige wegen Verletzung der Intimsphäre.

Für Macron, der eine zweite Amtszeit nach der Präsidentschaftswahl 2022 anstrebt, bedeutet der Rückzug Griveaux' eine Niederlage - er hatte sich gegen den Widerstand aus seiner Partei für seinen früheren Regierungssprecher eingesetzt. Griveaux war einer der ersten Unterstützer der von Macron gegründeten Bewegung La République en Marche (Die Republik in Bewegung, LREM).

In den Umfragen für die Kommunalwahl hatte der 42-Jährige auf dem dritten Platz hinter der sozialistischen Amtsinhaberin Anne Hidalgo und Rachida Dati von der konservativen Partei Les Républicains (Die Republikaner) rangiert.

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