Linkspolitiker wirft inmitten von Coronavirus-Pandemie das Handtuch

Sanders steigt aus US-Präsidentschaftsrennen aus und macht Weg für Biden frei

Washington (AFP) - Mit klar linken Positionen und der Forderung nach einer "politischen Revolution" sorgte Bernie Sanders im Präsidentschaftsrennen der US-Demokraten für Furore. Jetzt hat der 78-jährige Senator das Handtuch geworfen: Der selbsternannte "demokratische Sozialist" gab am Mittwoch das Ende seiner Kampagne bekannt. Sanders überlasst damit Ex-Vizepräsident Joe Biden das Feld, der im November Präsident Donald Trump herausfordern wird.
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Sanders bei seiner Videoansprache © AFP

Der Senator war bei den Vorwahlen gegenüber dem Mitte-Politiker Biden immer mehr ins Hintertreffen geraten, zuletzt hatte er kaum mehr Chancen auf eine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten. "Der Weg hin zu einem Sieg ist praktisch unmöglich", sagte Sanders in einer Videobotschaft von seinem Haus in Burlington im Bundesstaat Vermont aus. "Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass dieser Kampf um die demokratische Nominierung nicht erfolgreich sein wird."

Sanders versprach eine Zusammenarbeit mit Biden - betonte aber zugleich, er werde bei den Vorwahlen in den kommenden Monaten weiter Delegiertenstimmen sammeln. Damit wolle er sich politisches Gewicht bei dem für Mitte August geplanten Nominierungsparteitag sichern. Seine Bewegung habe den "ideologischen Kampf" und den Kampf um junge Wähler gewonnen, sagte der langjährige Senator, der vor allem von jüngeren Anhängern als Linken-Ikone verehrt wird.

Gemeinsames Ziel sei ein Sieg über Trump bei der Präsidentschaftswahl im November, betonte Sanders. "Gemeinsam und vereint werden wir Donald Trump besiegen, den gefährlichsten Präsidenten der jüngeren amerikanischen Geschichte."

Biden würdigte umgehend Sanders' Verdienste - und umwarb dessen Anhänger: Auch er werde sich für Kernanliegen des linken Senators wie den Kampf gegen den Klimawandel, mehr Einkommensgerechtigkeit, eine bessere Gesundheitsversorgung für alle und kostenlose Hochschulbildung einsetzen, versprach der 77-jährige Mitte-Politiker.

"Ich sehe euch, ich höre euch, und ich verstehe die Dringlichkeit dessen, was wir in diesem Land erreichen müssen", erklärte der einstige Stellvertreter von Präsident Barack Obama. "Ich hoffe, Ihr werdet Euch uns anschließen. Ihr seid mehr als willkommen. Ihr werdet benötigt."

Allerdings stehen viele Sanders-Anhänger Biden sehr kritisch gegenüber. Für sie gehört der Ex-Vizepräsident zum Partei-Establishment und ist nicht links genug.

Demokraten-Chef Tom Perez rief die Partei auf, sich jetzt geschlossen hinter Biden zu stellen. "Es ist an der Zeit, den Job zu Ende zu bringen und Joe Biden ins Weiße Haus zu schicken." Zugleich würdigte Perez die "Energie, Ideen und Führungsqualitäten" von Sanders, die nach wie vor benötigt würden.

Sanders' Ausstieg aus dem Präsidentschaftsrennen hatte sich seit Wochen abgezeichnet. Der Senator hatte zum Auftakt der Vorwahlen im Februar eine Reihe von Erfolgen eingefahren. Als sich das Rennen dann aber immer mehr zu einem Duell mit Biden entwickelte, erlitt Sanders reihenweise schwere Wahlschlappen. Zuletzt hatte er rein rechnerisch so gut wie keine Aussichten mehr auf eine Nominierung.

Deswegen wuchs der Druck auf den Senator, aus dem Rennen auszusteigen und damit den Weg für Biden freizumachen. Die Coronavirus-Krise hatte aber die Vorwahlen und den Wahlkampf größtenteils zum Stillstand kommen lassen, was Sanders etwas Zeit verschaffte. Zuletzt wurde nur am Dienstag im Bundesstaat Wisconsin gewählt, das Ergebnis steht noch aus.

Viele Demokraten befürchteten eine Wiederholung des Szenarios von 2016. Damals hatte sich Sanders einen langen und erbitterten Vorwahlkampf gegen Ex-Außenministerin Hillary Clinton geliefert. Clinton gewann zwar die Vorwahlen, unterlag dann aber Trump bei der Präsidentschaftswahl.

Die Demokraten wollen dem Republikaner nun möglichst geschlossen entgegentreten und eine zweite Amtszeit verhindern. Trump setzte derweil seine Versuche fort, die Oppositionspartei zu spalten: "Die Bernie-Leute sollten zur Republikanischen Partei kommen", schrieb der Präsident am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter.

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