"Man sperrt politischen Gegner nicht ins Gefängnis"

Schäuble kritisiert Umgang der Ukraine mit Timoschenko

Berlin (AFP) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat den Umgang der Ukraine mit der Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko kritisiert. "Man besiegt den politischen Gegner in Wahlen, aber sperrt ihn nicht ins Gefängnis", sagte Schäuble der "Welt am Sonntag". Er hoffe aber, dass sich für Timoschenko "alles gut entwickeln" werde.
Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite bei Timoschenko Bild anzeigen
Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite bei Timoschenko © AFP

Der internationale Protest, auch der "sehr kluge" Verzicht von Bundespräsident Joachim Gauck auf eine geplante Reise in die Ukraine, hätten schon Früchte getragen, sagte Schäuble. Wer die Welt zu einem Fest wie einer Fußball-Europameisterschaft einlade, der müsse sich auch gefallen lassen, dass die Welt noch genauer hinschaue. "Das ist gut so", sagte der Minister.

Schäuble reist nicht zu einem EM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in der Ukraine und begründete dies mit seiner Aufgabe als Finanzminister. "Wenn ich noch für den Sport zuständig wäre, müsste man sehen."

Timoschenko, früher ukrainische Regierungschefin, verbüßt derzeit eine siebenjährige Haftstrafe wegen Machtmissbrauchs und leidet unter Bandscheibenproblemen. Seit wenigen Tagen wird sie im Krankenhaus behandelt. Der Umgang der ukrainischen Führung mit ihr hatte im Vorfeld der EM eine heftige Debatte über einen politischen Boykott der Spiele in der Ukraine ausgelöst.

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