"Es geht gar nicht darum, was ich besser kann als Dietmar Bartsch", sagte Schwabedissen. Dem von einem Team unterstützten Frauenduo aus ihr und Parteivize Katja Kipping gehe es darum, "die Partei zusammenzuführen und Schluss damit zu machen, dass die Pole aufeinanderprallen". Bartsch polarisiere, was aber nicht nur für ihn gelte.
"Diese Ausschließeritis oder etwa diese Aufforderungen, zu kandidieren oder nicht zu kandidieren, helfen uns überhaupt nicht weiter", sagte Bartsch dem ARD-"Morgenmagazin". "Wir haben einen Souverän der entscheidet und das ist der Parteitag. Wir müssen gemeinsam zu einem Aufbruch kommen."
Er sehe keinen Grund, von seiner Kandidatur zurückzutreten. Er sei jetzt seit Wochen und Monaten in der Partei unterwegs und habe Angebote unterbreitet, wie er die Linke wieder auf die Erfolgsspur bringen wolle, sagte Bartsch, der Ende vergangenen Jahres seine Kandidatur erklärt hatte. "Da erfahre ich sehr viel Zustimmung in Ost und West."
Am Dienstag hatte der frühere Parteichef Oskar Lafontaine sein Angebot zurückgezogen, erneut für das Spitzenamt zu kandidieren. Er zog damit die Konsequenz aus einem Machtkampf mit Bartsch. Auf dem Parteitag Anfang Juni kandidieren nun neben Bartsch drei Frauen um den Parteivorsitz: Schwabedissen, Vizeparteichefin Katja Kipping und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann.
Unterdessen sprach sich nach Parteichef Klaus Ernst auch der stellvertretende Vorsitzende Heinz Bierbaum für eine Kandidatur der Vizepartei- und Fraktionschefin Wagenknecht für die Parteiführung vor. "Das ist eine Überlegung, die sinnvoll ist", sagte er der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". "Man muss mit ihr nochmal näher sprechen." Bierbaum gilt als Vertrauter Lafontaines, dem Lebensgefährten von Wagenknecht. Sie hat eine Kandidatur für den Vorsitz aber bislang abgelehnt.
Wagenknecht sagte der "Bild"-Zeitung, die Linke müsse wieder "angriffslustiger" werden. "Wir brauchen eine neue Führung, die die gesamte Linke und den Kurs des Parteiprogramms verkörpert. Die Partei müsse wieder "die Attacke auf den politischen Gegner lenken" anstatt auf sich selbst.
Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow bekräftigte seine Sympathie für eine weibliche Doppelspitze. "Zwei Frauen an der Spitze wären sicher ein Gewinn", sagte Ramelow der "Saarbrücker Zeitung". Aber die entscheidende Frage sei, wer dann andere wichtige Posten wie etwa den des Bundesgeschäftsführers oder Bundesschatzmeisters besetze. "Ich kann mir Dietmar Bartsch an mehreren Stellen unserer Partei vorstellen, weil ich um seine Leistungsfähigkeit weiß."
Es spreche aber nichts dagegen, dass Bartsch auch gegen ein weibliches Bewerber-Duo für den Parteivorsitz kandidiert, sagte Ramelow. Mehrere Kandidaturen seien "kein Kuddelmuddel, sondern Ausdruck von Demokratie und Stärke, wenn dabei am Ende alle in der Partei mitgenommen werden".
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