Ukrainischer Präsident empfängt iranischen Verkehrsminister

Selenskyj fordert Teheran nach Flugzeug-Abschuss zur Übergabe von Blackboxen auf

Kiew (AFP) - Knapp zwei Wochen nach dem Abschuss einer ukrainischen Passagiermaschine in Teheran hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die iranische Regierung zur Übergabe der Blackboxen an die ukrainischen Behörden aufgefordert. Die Ukraine habe die "technischen Kapazitäten und erfahrene Spezialisten", welche die Informationen auf den Flugschreibern auslesen könnten, sagte Selenskyj nach Angaben seines Büros bei einem Treffen mit dem iranischen Verkehrsminister Mohammad Eslami in Kiew.
Alle 176 Insassen des abgeschossenen Flugzeugs kamen ums Leben Bild anzeigen
Alle 176 Insassen des abgeschossenen Flugzeugs kamen ums Leben © AFP

Beide Seiten hätten vereinbart, dass "sämtliche Wrackteile des Flugzeugs in die Ukraine zurückgebracht" werden müssten, hieß es in der Erklärung des Präsidentenbüros. Iranische Vertreter würden bald in die Ukraine reisen, um sich mit den "technischen Kapazitäten" des Landes vertraut zu machen. Auch über die Frage von Entschädigungen für die Opferangehörigen sei gesprochen worden, hieß es weiter.

Selenskyj hob den Angaben zufolge hervor, dass Teheran nach dem Unglück "vollständig kooperiert" und "die meisten" seiner Versprechen gehalten habe. Der ukrainische Außenminister Wadym Prystaiko hatte zuvor gesagt, dass Eslami nach Kiew gereist sei, um sich "offiziell" für den Abschuss des Flugzeugs zu entschuldigen.

Bei dem Unglück am 8. Januar waren alle 176 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Erst nach tagelangem Leugnen hatte der Iran eingeräumt, dass das Flugzeug inmitten starker Spannungen mit den USA irrtümlich von den Revolutionsgarden abgeschossen wurde.

Kurz vor dem Abschuss hatte der Iran zwei von US-Truppen genutzte Militärstützpunkte im Irak mit Raketen angegriffen. Dabei handelte es sich um eine Reaktion auf die Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad. Die iranische Luftabwehr war danach in Erwartung möglicher US-Reaktionen in Alarmbereitschaft.

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