Amtsinhaber in erster Runde gleichauf mit Nationalist

Serbien: Stichwahl zwischen Tadic und Nikolic am 20. Mai

Belgrad (AFP) - In der Stichwahl um das Präsidentenamt in Serbien treffen am 20. Mai Amtsinhaber Boris Tadic und sein nationalistischer Herausforderer Tomislav Nikolic aufeinander. Nach Auszählung von 25,9 Prozent der Stimmen lagen beide Kandidaten bei rund 26 Prozent - mit einem minimalen Vorsprung für Amtsinhaber Tadic. Auch die parallel abgehaltene Parlamentswahl brachte keine klaren Mehrheitsverhältnisse.
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Tadic (l.) und Nikolic bei der Stimmabgabe © AFP

Tadic, der seit 2004 Staatschef ist, bewirbt sich um eine dritte und letzte Amtszeit. Nikolic und Tadic standen sich bereits bei den Präsidentschaftwahlen 2004 und 2008 in einer Stichwahl gegenüber. Damals war Nikolic noch ein erbitterter Gegner einer Annäherung Serbiens an die EU - inzwischen aber befürworten auch er und seine Serbische Fortschrittspartei (SNS) einen EU-Beitritt.

Nikolics SNS wurde zur stärksten Kraft im Parlament. Die Nationalisten können laut Hochrechnungen des Meinungsforschungsinstituts CESID mit 73 der 250 Mandate rechnen, auf Tadics Demokratische Partei entfallen demnach 68 Mandate. Drittstärkste Kraft mit 45 Sitzen ist demnach das Wahlbündnis um die Sozialistische Partei des bisherigen Innenministers Ivica Dacic. Drei weitere Parteien, darunter die Demokratische Partei Serbiens des früheren nationalistischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica, kamen über die Fünf-Prozent-Hürde. Das amtliche Ergebnis wird erst am Donnerstag erwartet.

Der Sozialistischen Partei des früheren Präsidenten Slobodan Milosevic kommt damit vermutlich die Rolle des Züngleins an der Waage zu. "Wir wissen noch nicht, wer Präsident wird, aber wir wissen schon sicher, wer Ministerpräsident wird", sagte Dacic, der damit sich selbst meinte. Dacic war nach Milosevics Tod im Jahr 2006 an der Spitze der Sozialisten gerückt, hatte die Partei modernisiert und reformiert und schließlich in die Koalition mit Tadics traditionell pro-westlichen Demokraten geführt.

Analysten gehen von einer Neuauflage des Bündnisses aus, sollte Tadic die Stichwahl für sich entscheiden. Auch zwei der drei kleineren Parteien unterstützen eher den Kurs des bisherigen Amtsinhabers.

Erstmals seit Jahrzehnten war der Wahlkampf in Serbien nicht vom Balkan-Konflikt bestimmt, sondern von Wirtschaftsthemen. Die Wirtschaft stagniert, die Arbeitslosigkeit liegt nach offiziellen Angaben bei 24 Prozent. Nikolic und seine Partei profitierten vor allem von dem wachsenden Unmut des Bevölkerungsanteils, der von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen wurde.

Auch Tadic erklärte die Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards "zu seinem strategischen Ziel". Nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse zeigte er sich von seiner Wiederwahl überzeugt. "Mein Ziel ist es zu gewinnen, und ich werde gewinnen", sagte er bei einem Wahlkampfauftritt in der Industriestadt Pancevo.

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