Die Sozialisten und die mit ihnen verbündeten Einzelkandidaten kamen noch deutlicher über die absolute Mehrheit von 289 Sitzen als in Umfragen zuletzt vorhergesagt. Darüber hinaus gewannen die Grünen, die seit der Präsidentschaftswahl im Mai zusammen mit der Sozialistischen Partei (PS) regieren, den Hochrechnungen zufolge 18 bis 24 Mandate. Damit erreichte die Öko-Partei den Fraktionsstatus, der bei 15 Sitzen liegt.
Hollande hat mit der deutlichen Mehrheit im Rücken nun freie Hand für seine Reformpolitik. Regierungschef Jean-Marc Ayrault sieht die Sozialisten allerdings vor einer "gewaltigen" Aufgabe. "Nichts wird einfach sein. Nichts wird uns geschenkt werden", sagte Ayrault im Fernsehen. Die sozialistische Parteichefin Martine Aubry sprach von einem Votum, "das uns verpflichtet und das uns ehrt".
Die konservative UMP und ihre Verbündeten, die bei der Parlamentswahl 2007 noch über 300 Sitze errungen hatten, kamen nur auf höchstens 231. Der frühere Innenminister Claude Guéant verlor seinen Kampf um ein Abgeordnetenmandat gegen einen UMP-Abweichler. Ex-Außenminister Alain Juppé erkannte die "deutliche Niederlage" der UMP an und forderte eine "wirkliche Debatte" über die künftige Ausrichtung der Partei, der ein Führungsstreit drohen könnte.
Einen Erfolg erzielte die rechtsextreme Front National (FN): Sie entsendet nun zwei Abgeordnete in die Nationalversammlung. Ein Mandat gewann die 22-jährige Enkelin von Parteigründer Jean-Marie Le Pen im südfranzösischen Carpentras. Der zweite FN-Sitz ging in Nîmes an den Anwalt Gilbert Collard.
Knapp geschlagen wurde die FN-Chefin Marine Le Pen im nordfranzösischen Wahlkreis Hénin-Beaumont. Ihr sozialistischer Gegenkandidat Philippe Kemel gewann laut Präfektur mit 118 Stimmen Vorsprung. Le Pen forderte umgehend eine Neuauszählung.
Im westfranzösischen Wahlkreis La Rochelle verlor die frühere Lebensgefährtin von François Hollande, Ségolène Royal, gegen den aus der PS ausgeschlossenen Kandidaten Olivier Falorni. Der Wahlkampf hatte dort am Dienstag eine besondere Dynamik bekommen, als Hollandes Partnerin Valérie Trierweiler für Falorni Partei ergriff.
Die Beteiligung bei der zweiten Runde der Parlamentswahl war mit nur 56 Prozent so niedrig wie nie zuvor.
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