Ursprüngliche Ziele von Babyklappen aber verfehlt

Studie: Rund tausend Kinder anonym zur Welt gebracht

Berlin (AFP) - Rund tausend Kinder sind in Deutschland bislang in Babyklappen abgelegt oder bei sogenannten anonymen Geburten zur Welt gebracht worden. Das geht nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" aus einer Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hervor. "Zwei Drittel der Fälle (652 Kinder) wurde anonym geboren, knapp ein Drittel (278) wurden in eine Babyklappe gelegt und weitere 43 Kinder wurden den Mitarbeitern der Anbieter anonym übergeben", zitiert das Blatt aus der Zusammenfassung der Studie.
Baby mit Fläschchen Bild anzeigen Baby mit Fläschchen © AFP

Dauerhaft anonym blieben der Studie zufolge 314 der Kinder. Die Hälfte der Kinder aus Babyklappen und rund ein Drittel der Kinder aus anonymen Geburten seien schnell in Adoptivfamilien vermittelt worden. Für 376 Kinder wurden nach Angaben der beteiligten Jugendämter Adoptionsvormundschaften errichtet, 45 Kinder wurden durch die leiblichen Eltern zurückgenommen.

Das ursprüngliche Ziel der Babyklappen und anonymen Geburten, die Tötung neugeborener Babys zu verhindern, wird der Studie zufolge allerdings weitgehend verfehlt. Von Seiten der Träger werde eingeräumt, dass die vor allem anvisierten Zielgruppen - Prostituierte, Drogenabhängige, sehr junge Mädchen und weitere Frauen, die ihre Neugeborenen töten oder aussetzen - nicht erreicht würden. Bereits zuvor war wiederholt Kritik an den Babyklappen laut geworden, weil die Zahl der Kindstötungen seit deren Einführung nicht spürbar zurückgegangen ist.

Zudem habe es einige Fälle gegeben, in denen tote oder behinderte Kinder in eine Babyklappe gelegt worden seien, heißt es laut "Welt" in der neuen Studie. Auch seien nicht alle abgelegten Kinder Neugeborene gewesen. Offenbar wurden "Babyklappen dahin gehend zweckentfremdet, dass sie als Instrument der kurzfristigen Inobhutnahme genutzt wurden, um akute Krisen- oder Überlastungssituationen zu bewältigen", zitiert die "Welt" Autoren der Studie. Dies ändere allerdings nichts daran, dass hier in der Regel tatsächlich Notsituationen vorlägen.

Befragt wurden für die Studie laut "Welt" 591 Jugendämter, von denen sich 466 beteiligten. Von den 344 angeschriebenen Trägern der Angebote von Babyklappen oder anonymen Geburten nahmen 272 an der Befragung teil. Allerdings konnten die Träger nur zu einem Teil der Kinder Angaben über deren weiteres Schicksal machen.

Bewerten Sie diesen Artikel

0.0
0,0 (0 Stimmen)

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Noch keine Kommentare vorhanden

Zu diesem Artikel wurde noch kein Kommentar hinterlassen, schreiben Sie doch den ersten.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder
Als Startseite festlegen Facebook Twitter RSS-Feeds Mobile