Hidschab soll sich mit Ministern abgesetzt haben

Syriens Regierungschef läuft zur Opposition über

Damaskus (AFP) - Mit dem syrischen Regierungschef Riad Hidschab ist der bislang ranghöchste Politiker des Landes zur Opposition übergelaufen. Hidschab nannte "Kriegsverbrechen und den Völkermord" in seiner Heimat als Grund, wie sein Sprecher Mohammed Otri dem Sender Al-Dschasira sagte.
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Aufständische in Aleppo © AFP

"Ich verkünde meinen Austritt aus dem mörderischen und terroristischen Regime, um mich der Opposition anzuschließen, deren Soldat ich werde", erklärte Hidschab laut Otri. Der Regierungschef setzte sich nach Oppositionsangaben in der Nacht nach Jordanien ab. Seine Flucht wurde demnach von der Rebellentruppe Freie Syrische Armee (FSA) koordiniert.

Ein Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrats sagte AFP, Hidschab habe sich mit Familie, zwei Ministern und drei Armeeoffizieren abgesetzt. Eine Bestätigung für die Flucht der Minister oder Angaben zu deren Identität gab es nicht.

Der syrische Informationsminister Omran al-Sohbi bestätigte indirekt das Überlaufen des Regierungschefs: Der Nachrichtenagentur Sana sagte er, die Übertritte "von Persönlichkeiten gleich welchen Ranges" zur Opposition änderten "nichts an der Politik des Staates". Al-Sohbi widersprach jedoch den Berichten über die Flucht zweier Minister: "Alle Angaben über ein Überlaufen von Ministern entbehren jeder Grundlage."

Seinem Sprecher Otri zufolge will Hidschab weiter nach Katar reisen. Laut syrischer Opposition wollte er bereits "in den kommenden Stunden", voraussichtlich noch am späten Montagabend, aufbrechen. Nationalratschef Abdel Basset Sajda begrüßte Hidschabs Überlaufen. Dies sei "der Anfang vom Ende" für die Regierung. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, dies zeige, "wie weit der Erosionsprozess" der syrischen Führung fortgeschritten sei.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu setzte sich ein weiterer ranghoher syrischer General mit fünf Offizieren und mehr als 30 Soldaten in die Türkei ab. Laut FSA waren am Sonntag drei syrische Geheimdienstbeamte nach Jordanien ausgereist. Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Tommy Vietor, erklärte, dies zeige, dass Assad die Kontrolle über das Land verloren habe.

© AFP

Das staatliche Rundfunkgebäude in Damaskus wurde unterdessen von einem Anschlag erschüttert. Bei der Explosion in einem schwer gesicherten Stadtteil wurden laut Regierung "mehrere Mitarbeiter" verletzt.

Die Regierung hatte kurz zuvor noch erklärt, die Kontrolle über Damaskus wiedererlangt zu haben. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab es am Montag Kämpfe im Norden der Stadt. Die Luftwaffe beschoss demnach auch weiter die Metropole Aleppo. Landesweit seien am Montag mindestens 37 Menschen getötet worden.

Der Nationalrat warf den Truppen Assads vor, in der Provinz Hama ein "Massaker" verübt zu haben. Dabei seien am Sonntag rund 40 Menschen getötet und 120 verletzt worden.

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