Angeblich Massendemonstrationen in Syrien

Syrische Armee bombardiert offenbar kurdische Dörfer

Beirut (AFP) - Syrische Armeehubschrauber haben nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten kurdische Dörfer in der Nähe der türkischen Grenze bombardiert. Die in London ansässige Nichtregierungsorganisation Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von etwa 20 Verletzten unter den Dorfbewohnern. Bei Massendemonstrationen und anderen Zwischenfällen im ganzen Land wurden den Angaben zufolge mindestens 16 Zivilisten getötet. Das Auswärtige Amt bestellte unterdessen erneut den syrischen Botschafter ein.
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Syrische Armee greift offenbar kurdische Dörfer an © AFP

Es sei das erste Mal, dass das als Kurdenberg bekannte Gebiet Ziel von Angriffen aus der Luft sei, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Die in den Bergen gelegenen Dörfer Kansebba, Kabbane, Mardsch al-Sawija, Dueirke und Eido seien nur sechs bis 25 Kilometer von der Grenze zur Türkei entfernt. Sie stünden der Regierung von Baschar al-Assad feindlich gegenüber und seien für Panzer nur schwer zugänglich.

In Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo und der dazugehörigen Provinz gingen der Beobachtungsstelle zufolge zehntausende Menschen gegen die Staatsführung auf die Straße. Die Sicherheitskräfte hätten Tränengas eingesetzt und mit scharfer Munition geschossen. Unter den Demonstranten habe es einen Toten und dutzende Verletzte gegeben.

Auch in der ebenfalls im Norden gelegenen Provinz Idlib demonstrierten den Angaben zufolge zehntausende Menschen. Proteste gab es ferner in der zentralen Provinz Homs und in der südlichen Provinz Daraa. In einem Hinterhalt in Daraa wurde demnach ein weiterer Zivilist getötet. In der Hauptstadt Damaskus riefen Demonstranten zur Unterstützung der zum großen Teil aus Deserteuren bestehenden Freien Syrischen Armee und zum Sturz Assads auf. Im Damaszener Vorort Irbin tötete den Angaben zufolge ein Heckenschütze ein Kind.

Bereits in der Nacht zum Freitag töteten Sicherheitskräfte im Dorf Schisar in der nördlichen Provinz Hama vier Menschen, wie die Beobachtungsstelle weiter mitteilte. In der Stadt Hama starb demnach ein Zivilist. In den Provinzen Idlib und Hama gab es Kämpfe zwischen Deserteuren und regulären Soldaten. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, eine von "Terroristen" deponierte Bombe habe im Dorf Rabla in der Provinz Homs sechs Menschen getötet.

Hintergrund für die Einbestellung des syrischen Botschafters war der am Donnerstag veröffentlichte Bericht der Syrien-Kommission des UN-Menschenrechtsrats über schwere Menschenrechtsverstöße der syrischen Armee und Sicherheitskräfte. Nach Angaben des AA verdeutlichte der Beauftragte für Nah- und Mittelostpolitik, Boris Ruge, die Sorge der Bundesregierung über die anhaltende Repression durch Damaskus.

Die Bundesregierung erwarte, dass der Friedensplan des internationalen Syrien-Beauftragten Kofi Annan "unverzüglich und vollständig" umgesetzt werde, teilte das Auswärtige Amt mit. Ruge erwähnte auch den Fall von Masen Darwisch, Träger des Roland-Berger-Preises für Menschenwürde 2011, und mehrerer Mitarbeiter des von ihm geleiteten Syrischen Zentrums für Medien und Meinungsfreiheit. Sie würden bis heute an einem unbekannten Ort festgehalten. Dies sei "völlig inakzeptabel". Die Bundesregierung verlange ihre unverzügliche Freilassung.

Der syrische Botschafter in Deutschland, Radwan Lutfi, wurde angesichts der anhaltenden Gewalt in seinem Land bereits mehrfach ins Auswärtige Amt einbestellt.

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