Aktivisten: Elf Zivilisten bei Luftangriffen getötet

Syrische Regierungstruppen erobern strategisch wichtige Stadt in Provinz Idlib zurück

Damaskus (AFP) - Die syrischen Regierungstruppen haben die strategisch wichtige Stadt Maaret al-Numan im Nordwesten des Landes zurückerobert. "Unseren Streitkräften ist es in den vergangenen Tagen gelungen, den Terrorismus in vielen Dörfern und Städten auszurotten", sagte ein Armeesprecher am Mittwoch. Elf Zivilisten wurden nach Angaben von Aktivisten bei Luftangriffen am Mittwoch getötet. Die UNO warnte vor einer humanitären Katastrophe und forderte die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen.
alle Bilder anzeigen Rauch steigt über Vororten von Maaret al-Numan auf Bild anzeigen
Rauch steigt über Vororten von Maaret al-Numan auf © AFP

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden durch Luftangriffe der Regierungstruppen und der russischen Armee zehn Zivilisten im nördlich von Maaret al-Numan gelegenen Dorf Kfar Lata getötet, ein weiterer Zivilist starb demnach in der Nähe der Stadt Sarakeb.

Der Beobachtungsstelle zufolge befinden sich die Regierungstruppen auf dem Vormarsch auf Sarakeb, das wie Maaret al-Numan an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt der Autobahn M5 liegt, welche die Hauptstadt Damaskus mit der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo verbindet. Im Laufe des Tages hätten die Regierungstruppen fünf weitere Dörfer im Süden Idlibs eingenommen, teilte die Beobachtungsstelle weiter mit. Seit Freitag erlangten die Regierungstruppen damit die Kontrolle über mehr als 30 Städte und Dörfer in der Region wieder.

Maaret al-Numan war 2011 eine der ersten Städte in der Provinz Idlib, in denen sich Einwohner gegen die Regierung in Damaskus auflehnten. Ein Jahr später fiel sie in die Hände der Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Nach der Einnahme von Maaret al-Numan suchten Soldaten die Stadt nach Sprengfallen ab, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Demnach befinden sich keine Rebellen mehr in der Stadt - alle seien tot oder hätten sich zurückgezogen. Die syrische Armee erklärte, sie werde den Kampf zur "Säuberung des gesamten syrischen Gebiets vom Terrorismus" fortsetzen.

Seit Dezember greifen Assads Truppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe verstärkt den Süden der Provinz Idlib an. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Mittwoch, die Regierungstruppen seien inzwischen auch im Gebiet von al-Raschidin im Westen Idlibs den dschihadistischen Kämpfern überlegen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf der russischen Regierung am Mittwoch vor, sich nicht an die bilateralen Vereinbarungen zu einer Waffenruhe im Nordwesten Syriens zu halten. Sollten die russischen Luftangriffe in Idlib nicht aufhören, werde die Türkei tun, "was immer nötig ist", betonte der türkische Staatschef in der Zeitung "Hürriyet".

Moskau steht im Syrien-Konflikt an der Seite der Regierungstruppen, Ankara unterstützt die gegen die syrische Regierung kämpfenden Rebellen. Beide Länder hatten in den vergangenen Jahren jedoch gemeinsam an einer Lösung des Konflikts gearbeitet.

Die UNO appellierte an alle Beteiligten, die Kämpfe einzustellen. "Die Konfliktparteien und jene, die Einfluss auf sie haben, müssen aufhören zu kämpfen", sagte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Mittwoch vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. "Wenn die gegenwärtigen Feindseligkeiten nicht enden, wird es eine noch größere humanitäre Katastrophe geben", warnte er.

Die Regierungstruppen kontrollieren inzwischen rund 70 Prozent Syriens. Mehr als die Hälfte der Provinz Idlib sowie kleine Teile der benachbarten Provinzen Aleppo und Latakia befinden sich noch unter Kontrolle der Dschihadistenmiliz Hajat Tahrir al-Scham und anderen islamistischen Milizen. Assad ist entschlossen, die Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen.

Möchten Sie diesen Artikel

Versenden Drucken
Anzeige

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder