Siradschuddin Hakkani äußert sich in Beitrag für die "New York Times"

Taliban-Vizechef: Miliz "voll und ganz bereit" für Friedensabkommen mit den USA

Kabul (AFP) - Erstmals hat sich der stellvertretende Anführer der radikalislamischen Taliban in Afghanistan zu den Friedensverhandlungen mit den USA geäußert. Die Taliban seien "voll und ganz bereit" zu einem Abkommen mit Washington, erklärte Siradschuddin Hakkani in einem Beitrag für die "New York Times" am Donnerstag.
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Kämpfer des Hakkani-Netzwerks © AFP

Die Verhandlungen zwischen Vertretern der US-Regierung und den Taliban über einen US-Truppenabzug aus Afghanistan stehen womöglich kurz vor einem Abschluss. Aus Taliban-Kreisen hieß es, die Vereinbarung werde voraussichtlich am 29. Februar unterzeichnet. Im Gegenzug für den Truppenabzug sollen die Taliban Garantien dafür geben, dass sie das Terrornetzwerk Al-Kaida und die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekämpfen.

Der stellvertretende Taliban-Chef, der auch Gründer des Hakkani-Netzwerks ist, hat sich bislang selten öffentlich geäußert. In der Regel tat er dies über Audiobotschaften auf Paschtunisch. Zuletzt wurde eine solche Botschaft im Juni 2017 auf einer Website der Taliban veröffentlicht. Das mit den Taliban verbündete Hakkani-Netzwerk wird für zahlreiche schwere Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht.

"Wir stehen kurz vor der Unterzeichnung eines Abkommens mit den Vereinigten Staaten und sind fest entschlossen, jede einzelne Bestimmung nach Buchstaben und Geist umzusetzen", schrieb Hakkani in dem Artikel mit der Überschrift "Was die Taliban wollen". Er sei "überzeugt, dass das Töten und Verstümmeln aufhören muss". Die Taliban sind für ihre häufigen, gegen Zivilisten gerichtete Selbstmordanschläge bekannt.

Hakkani ging auch auf Bedenken angesichts einer möglichen Rückkehr der radikalislamischen Miliz an die Macht ein. Die Taliban seien offen für ein "neues, integratives politisches System, das die Stimme jedes Afghanen widerspiegelt und durch das sich kein Afghane ausgeschlossen fühlt".

Die Veröffentlichung des Meinungsbeitrags durch die "New York Times" stieß auf Kritik. Die Zeitung habe dem "berüchtigtsten Terroristen der Welt" geholfen, seine Botschaften zu verbreiten, schrieb Saad Mohseni, Vorsitzender des Medienkonzerns, dem der größte afghanische Nachrichtensender Tolo gehört, im Onlinedienst Twitter.

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