Erdogan liest Gebet für Mursi und attackiert Führung in Kairo

Tausende Menschen bei Trauerfeier für Ägyptens Ex-Präsident Mursi in Istanbul

Istanbul (AFP) - Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Dienstag mit tausenden Menschen in Istanbul des früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi gedacht, der am Montag vor Gericht zusammengebrochen und gestorben war. Der Staatschef las im Hof der Fathi-Moschee an der Seite anderer türkischer Politiker und ägyptischer Oppositioneller ein Gebet für das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt Ägyptens.
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Trauerfeier für Ägyptens Ex-Präsident Mursi in Istanbul © AFP

Erdogan hatte Mursi nach seinem Tod als "Märtyrer" gewürdigt und die "Tyrannen" in Kairo für seinen Tod verantwortlich gemacht. Ankara hat praktisch alle Beziehungen zu Kairo abgebrochen, nachdem der islamistische Präsident Ägyptens vor sechs Jahren gestürzt worden war. Erdogan hat dem heutigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi den Sturz Mursis sowie die gewaltsame Räumung eines Protestcamps der Muslimbrüder in Kairo nie verziehen.

In einer Rede am Dienstag warf Erdogan dem Westen vor, "dem Sturz Mursis durch einen Putsch, seinem Leiden im Gefängnis und seinem Tod" tatenlos zugesehen zu haben. "Ich glaube nicht, dass dies ein normaler Tod war", sagte Erdogan bei der Trauerfeier in der Fatih-Moschee am Nachmittag. Zudem griff er die Führung in Kairo scharf an und verurteilte die "Feiglinge", die Mursi im kleinen Kreis hatten beisetzen lassen.

Auf einen Aufruf der türkischen Religionsbehörde Diyanet hin wurden im ganzen Land Trauerfeiern für Mursi organisiert. Außer in Istanbul gab es in der Hauptstadt Ankara und der Kurdenmetropole Diyarbakir große Kundgebungen, bei denen die Teilnehmer Bilder Mursis hoch hielten und die Führung in Kairo für den Tod des führenden Mitglieds der islamistischen Muslimbruderschaft verantwortlich machten.

Mursi war nach den Umbrüchen des Arabischen Frühlings bei den ersten demokratischen Wahlen im Juni 2012 zum Präsidenten gewählt worden. Nach nur einem Jahr an der Macht wurde er aber im Juli 2013 vom Militär unter Führung des heutigen Präsidenten Sisi gestürzt und ins Gefängnis geworfen. Am Montag brach der 67-Jährige bei einer Gerichtsanhörung in Kairo zusammen und starb kurz darauf im Krankenhaus.

Schon nach dem Mittagsgebet am Dienstag hatten sich in der Istanbuler Fatih-Moschee tausende Menschen zum Gebet für Mursi versammelt. Unter den Teilnehmern waren Mahmud Hussein und andere Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft, aus der Mursi stammte. Auch der ägyptische Oppositionelle Aiman Nur nahm an der Trauerfeier teil.

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