Pawel Adamowicz nach Messerangriff gestorben - Bundesregierung verurteilt Tat

Tödliches Attentat auf Danziger Bürgermeister sorgt für Entsetzen

Danzig (AFP) - Der gewaltsame Tod des Danziger Bürgermeisters Pawel Adamowicz hat international Bestürzung ausgelöst. Politiker aus dem In- und Ausland äußerten sich erschüttert über den tödlichen Angriff auf den 53-Jährigen, der am Montag seinen Verletzungen erlag. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte das "feige Attentat", Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach von einer "sinnlosen Gewalttat". Adamowicz war am Sonntag während einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf der Bühne niedergestochen worden.
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Der getötete Danziger Bürgermeister Adamowicz © AFP

"Trotz all unserer Bemühungen haben wir ihn nicht retten können", sagte der Chirurg Tomasz Stefaniak von der Danziger Universitätsklinik der Nachrichtenagentur PAP. Adamowicz war bei der Attacke am Sonntagabend lebensgefährlich am Herz und an anderen Organen verletzt worden. Den Ärzten gelang es in einer fünfstündigen Notoperation nicht, das Leben des Bürgermeisters zu retten.

Als Reaktion auf Adamowicz' Tod wurden in Warschau, Danzig und mehreren anderen Städten Trauermärsche organisiert. In Danzig gingen am Montagabend tausende Menschen auf die Straße, unter ihnen EU-Ratspräsident Donald Tusk. Der aus Danzig stammende Ex-Regierungschef lobte seinen verstorbenen Freund als "mutigen" Politiker, der stets "gegen das Böse Stellung bezog".

Auch der frühere Solidarnosc-Chef und Staatspräsident Lech Walesa, Regierungschef Mateusz Morawiecki und zahlreiche Politiker aus Regierung und Opposition äußerten sich betroffen über Adamowicz' Tod. Präsident Andrzej Duda würdigte Adamowicz als "großen Politiker".

Der Täter hatte am Sonntagabend während einer Benefizveranstaltung für Kinderkliniken die Bühne gestürmt und mehrfach auf Adamowicz eingestochen. Laut Polizei handelt es sich bei dem Angreifer, der von Sicherheitsleuten rasch überwältigt wurde, um einen 27-jährigen Danziger. Ein Video der Attacke zeigt, wie der Mann nach der Messerattacke ein Mikrofon an sich reißt und ruft, die ehemalige Regierung der Bürgerplattform (PO) habe ihn unschuldig ins Gefängnis gebracht. "Deshalb stirbt Adamowicz!"

Medienberichten zufolge war der Täter in der Vergangenheit wegen bewaffneter Banküberfälle zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt worden. Demnach litt er im Gefängnis zunehmend unter psychischen Problemen. Gegen den Täter wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet. Zugleich wurde eine psychologische Untersuchung angeordnet.

Die liberal-konservative PO hatte Adamowicz bei seiner Wiederwahl im Herbst unterstützt. Der 53-Jährige war seit 1998 Bürgermeister der nordpolnischen Hafenstadt. Er war für seine liberalen Ansichten und seine Opposition zur rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) bekannt. Die Bürgerplattform stellte von 2007 bis 2015 die Regierung, Parteigründer Tusk war bis zu seiner Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2014 Ministerpräsident.

Die Bundesregierung zeigte sich erschüttert über den tödlichen Angriff auf Adamowicz. "Wir sind tieftraurig und bestürzt über den Tod von Pawel Adamowicz", erklärte Außenminister Heiko Maas (SPD). "Dieses feige Attentat macht uns fassungslos." Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, verurteilte den Angriff als "entsetzliche und hinterhältige" Tat.

Bundespräsident Steinmeier sprach der Witwe des Politikers sein Beileid aus. Adamowicz sei Opfer einer "sinnlosen Gewalttat" geworden, erklärte er in einem Kondolenzschreiben. Es erschüttere ihn besonders, dass Adamowicz während der Abschlusskundgebung einer Spendenaktion angegriffen wurde.

Auch der Polen-Beauftragte der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), zeigte sich schockiert über die "heimtückische Attacke". Adamowicz habe Danzig "mit seinem liberalen Kurs geprägt". Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles würdigte den Bürgermeister als überzeugten Europäer, "der für Weltoffenheit und Toleranz stand".

Das Europaparlament in Straßburg gedachte Adamowicz am Montag mit einer Schweigeminute. Ein Termin für die Beerdigung des 53-Jährigen stand zunächst nicht fest. Präsident Duda kündigte an, an diesem Tag Staatstrauer anzuordnen.

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