Erdogan lädt Hollande in die Türkei ein

Türkei hebt Sanktionen gegen Frankreich wieder auf

Istanbul (AFP) - Die Türkei hat ihre Sanktionen gegen Frankreich aufgehoben, die sie aus Protest gegen die Initiative zur Bestrafung einer Leugnung des Völkermordes an den Armeniern verhängt hatte. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe nach einem Gespräch mit dem neuen französischen Präsidenten François Hollande am Rande des Gipfeltreffens von Rio eine entsprechende Anweisung erteilt, sagte Außenminister Ahmet Davutoglu nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Anadolu in einem Fernsehinterview. Die Türkei hofft auf einen Neuanfang der Beziehungen zu Frankreich.
Erdogan mit Hollande in Rio Bild anzeigen
Erdogan mit Hollande in Rio © AFP

Unter dem abgewählten Präsidenten Nicholas Sarkozy hatte Frankreich einen Gesetzentwurf diskutiert, mit dem die Leugnung des türkischen Völkermordes an den Armeniern im Ersten Weltkrieg unter Strafe gestellt wurde. Die Türkei reagierte auf das Vorhaben mit einer Reihe von Sanktionen, darunter den vorläufigen Stopp gegenseitiger Besuche, die Einstellung der militärischen Zusammenarbeit sowie ein Überflug- und Landeverbot für französische Militärflugzeuge. Zudem durften französische Kriegsschiffe keine Häfen des türkischen NATO-Partners mehr anlaufen.

Die Lage entspannte sich etwas, nachdem das geplante Gesetz in Frankreich für verfassungswidrig erklärt wurde und nicht in Kraft treten konnte. Die Wahlniederlage des als entschiedener Gegner einer türkischen EU-Mitgliedschaft bekannten Sarkozy gegen Hollande im Mai verstärkte türkische Hoffnungen, dass die Blockade Frankreichs gegen fünf Verhandlungskapitel der EU-Beitrittsgespräche aufgehoben werden könnten. Davutoglu sagte dazu, er wolle am 5. Juli nach Frankreich reisen, um über eine weitere Verbesserung der Beziehungen zu sprechen.

Erdogan und Hollande beschlossen bei ihrem ersten Treffen seit Hollandes Wahlsieg, eine neue Seite im türkisch-französischen Verhältnis aufzuschlagen, wie türkische Medien meldeten. Der türkische Regierungschef habe darauf hingewiesen, dass seit 20 Jahren kein französischeR Präsident mehr zu einem Staatsbesuch in der Türkei gewesen sei; Sarkozy hatte der Türkei zwar einen wenige Stunden dauernden Kurzbesuch abgestattet, war aber in seiner damaligen Rolle als Vorsitzender der G-8 nach Ankara gereist. Hollande nahm Erdogans Einladung in die Türkei den Medienberichten zufolge an.

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