Syrische Regierung will Zivilisten Flucht aus Idlib ermöglichen

Türkei kündigt neuen Syrien-Gipfel mit Russland und Iran an

Damaskus (AFP) - Inmitten der jüngsten Spannungen zwischen Ankara und Moskau in Syrien hat die Türkei ein Gipfeltreffen mit Russland und der Türkei angekündigt. Bei dem Treffen am 16. September in Ankara soll es vor allem um die Lage in der Rebellenbastion Idlib gehen, wie das türkische Präsidialamt am Mittwochabend mitteilte. Damaskus kündigte am Donnerstag die Einrichtung eines "humanitären Korridors" an, um Zivilisten die Flucht aus Idlib zu ermöglichen.
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Damaskus kündigt Fluchtkorridor für Idlib an © AFP

Die Provinz Idlib und angrenzende Gebiete der Provinzen Hama, Aleppo und Latakia werden von der Dschihadistenallianz Hajat Tahrir al-Scham und anderen Rebellengruppen kontrolliert. Die syrischen Regierungstruppen gehen seit Ende April verstärkt gegen die Aufständischen im Süden der Region vor. Am Mittwoch gelang es der Armee mit Unterstützung ihrer russischen Verbündeten, die Stadt Chan Scheichun einzunehmen.

Der Vorstoß führte zu neuen Spannungen zwischen Ankara und Moskau. Der russischen Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Kollege Recep Tayyip Erdogan hatten im September 2018 eigentlich für Idlib eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen ausgehandelt. Zu ihrer Überwachung richtete die türkische Armee in der Folge zwölf Beobachtungsposten in und um Idlib ein, darunter in der Stadt Maaret al-Numan.

Am Montag beschossen syrische und russische Kampfflugzeuge aber einen türkischen Konvoi aus rund 50 Militärfahrzeugen. Nach türkischen Angaben war er auf dem Weg zu dem Beobachtungsposten in der Stadt nördlich von Chan Scheichun. Damaskus warf der Türkei dagegen vor, den Dschihadisten und Rebellen Munition liefern zu wollen. Moskau kündigte an, seinen Kampf gegen "Terroristen" in Idlib fortzusetzen.

Laut der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu feuerten syrische Flugzeuge am Donnerstag Schüsse nahe einem türkischen Beobachtungsposten im Dorf al-Surman nördlich von Chan Scheichun ab. Durch den jüngsten Vorstoß der Assad-Truppen wurde auch ein türkischer Beobachtungsposten in der Stadt Morek südlich von Chan Scheichun eingekreist. Ankara erklärte, eine Schließung des Postens komme nicht in Frage.

"Weder Damaskus noch Moskau dürften daran interessiert sein, einen türkischen Beobachtungsposten direkt anzugreifen, dabei türkische Soldaten zu töten und so einen ernsten Zwischenfall zu provozieren", sagte der Syrien-Experte Sam Heller der International Crisis Group. Der letzte Vorstoß zeige jedoch, dass die syrischen Truppen einfach die türkischen Posten umgehen und sie so bedeutungslos machen könnten, sagte Heller.

Das syrische Außenministerium verkündete derweil die Einrichtung eines "humanitären Korridors" in der Region Suran südlich von Chan Scheichun, damit Bürger die Gebiete unter Kontrolle der "Terroristen" verlassen könnten. Die Regierung sicherte zudem zu, Unterkünfte, Essen und medizinische Hilfe für die fliehenden Zivilisten bereitzustellen. Das Staatsfernsehen zeigte wartende Krankenwagen und Busse in der Stadt Suran.

Die Regierungstruppen richteten in der Vergangenheit wiederholt Fluchtkorridore ein, bevor sie zum Sturm auf Rebellenbastionen ansetzten. Viele Zivilisten scheuen sich aber aus Angst vor Verhaftung oder der Rekrutierung in die Armee, sich in Gebiete unter Kontrolle der Regierung zu begeben. Auch sind viele Zivilisten bereits in Richtung Norden geflohen. Laut Augenzeugen sind viele Orte im Süden von Idlib komplett verlassen.

"Frühere Bemühungen zur Einrichtung solcher Korridoren im Süden Syriens und Aleppo halfen wenig, das Leid der Zivilisten zu beenden und wurden aus Angst um ihre Sicherheit und ihren Schutz selten genutzt", sagte Misty Buswell von der Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC). Laut den Vereinten Nationen sind seit Beginn der Kämpfe Ende April mehr als 400.000 Menschen aus den umkämpften Gebieten in Idlib geflohen.

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