Gauck hatte nach der offiziellen Gedenkfeier im türkischen Kulturzentrum in Berlin an einem Treffen der Angehörigen der türkischen Mordopfer teilgenommen. Er sagte dort Medienberichten zufolge, er sei glücklich, als einfacher Staatsbürger mit den türkischen Angehörigen der Neonazi-Opfer zusammenkommen zu können. Man habe gemeinsam einen schweren Tag erlebt und gemeinsam geweint. Die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung habe ihre Herzen für die Familien der Mordopfer geöffnet.
Der türkische Botschafter in Berlin, Hüseyin Avni Karslioglu, sagte, die Türken in Deutschland erwarteten, dass die Mörder und deren Helfer vor Gericht gebracht würden. Der rechtsextremistischen Verbrechensserie, die der Zwickauer Neonazi-Zelle zugeschrieben werden, waren seit dem Jahr 2000 acht Türken, ein Grieche und eine deutsche Polizistin zum Opfer gefallen. Zwei Sprengstoffanschläge mit Verletzten in Köln werden ebenfalls der Zelle zur Last gelegt.
Die Feier habe gezeigt, "dass wir Türken und Deutsche dieselben Gefühle und Werte teilen", erklärte Bagis gegenüber der Nachrichtenagentur AFP in Istanbul. Besorgt zeigte sich der EU-Minister jedoch über den "wachsenden Rassismus in vielen europäischen Ländern". Dennoch habe er Hoffnung für die Zukunft.
Bagis erklärte, fremdenfeindliche Tendenzen in europäischen Ländern verdeutlichten, dass ein Europa gebraucht werde, in dem verschiedene Kulturen und Religionen friedlich zusammen lebten. Auch aus diesem Grund sei ein EU-Beitritt der Türkei wichtig. Ohne eine Mitgliedschaft werde die "EU als Friedensprojekt niemals vollendet sein".
Die Gedenkfeier vom Donnerstag war am Freitag eines der Hauptthemen in der türkischen Presse. "Deutschland bittet um Verzeihung", titelte die Zeitung "Hürriyet". Andere Blätter hoben hervor, dass das öffentliche Leben in Deutschland während der Gedenkminute zum Stillstand gekommen sei.
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