Syrische Armee stürmt Ortschaft in Provinz Daraa

UN-Generalsekretär warnt vor Untätigkeit in Syrien

Damaskus (AFP) - Nach dem Massaker in der syrischen Stadt Treimsa hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Staatengemeinschaft eindringlich zum Handeln aufgefordert. Sollte der UN-Sicherheitsrat den Druck auf die Führung in Damaskus nicht erhöhen, wäre dies eine "Lizenz für weitere Massaker", warnte Ban am Freitag. Unterdessen stürmten die Armee und Milizen die Ortschaft Cherbet Ghasale in der südlichen Provinz Daraa.
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Proteste gegen syrische Führung in Provinz Idlib © AFP

Der UN-Sicherheitsrat müsse eine "starke Botschaft" aussenden, dass Verstöße gegen den Friedensplan des internationalen Sondergesandten Kofi Annan "ernsthafte Konsequenzen" hätten, sagte Ban. Mit Blick auf das Massaker in der Kleinstadt Treimsa in der Provinz Hama, bei dem Aktivisten zufolge am Donnerstag mindestens 150 Menschen durch die Armee und verbündete Milizen getötet worden waren, sprach Ban von "entsetzlichen Massentötungen".

Berichten zufolge handelte es sich bei den meisten Opfern in Treimsa um Aufständische, die zuvor einen Armeekonvoi angegriffen hatten. Aktivisten sprachen von dutzenden Rebellen, die in der mehrheitlich sunnitischen Kleinstadt erschossen worden seien. Zahlreiche Zivilisten seien zudem beim Versuch, über die Felder zu entkommen, getötet worden. Neben der Armee sollen auch Milizen aus nahegelegenen alawitischen Dörfern beteiligt gewesen sein.

Am Samstag besuchte eine Gruppe von UN-Beobachtern Treimsa, wie die Sprecherin Sausan Ghosheh mitteilte. Ein Konvoi von elf Fahrzeugen sei in die Stadt gefahren, um die Berichte zu dem Massaker zu überprüfen. Demnach war bereits am Freitag eine erste Patrouille nach Treimsa gefahren, um Erkundungen zur Lage einzuholen. Ein Aktivist in Hama sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Beobachter hätten mit Bewohnern gesprochen und bombardierte Häuser angeschaut.

Die UN-Beobachtermission ist wegen der Kämpfe eigentlich seit dem 15. Juni ausgesetzt. Am Freitag hatte ihr Leiter Robert Mood aber erklärt, im Fall einer örtlichen Waffenruhe würden UN-Beobachter nach Treimsa reisen. Demnach verfolgten Beobachter die Gefechte um die Stadt aus einigen Kilometer Entfernung. Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtete unter Berufung auf einen UN-Bericht, die Armee habe den Beobachtern während des Massakers mehrfach den Zugang zu dem Ort verwehrt.

Unterdessen stürmte die Armee Cherbet Ghasale in der Provinz Daraa. Wie ein Aktivist, der sich als Bajan Ahmed vorstellte, sagte, wurde die Ortschaft zunächst aus Helikoptern beschossen, bevor hunderte Soldaten und Milizionäre unterstützt von Panzern in die Siedlung eindrangen. Sie seien auf keinen Widerstand gestoßen, da die Kämpfer der aufständischen Freien Syrischen Armee die Stadt bereits verlassen hatten.

© AFP

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London erklärte, am Samstag seien landesweit 28 Menschen getötet worden, darunter 13 Zivilisten, neun Rebellen und sechs Soldaten. Die Opferzahl für Freitag gab sie mit 118 Menschen an, darunter 49 Zivilisten, 37 Soldaten und 32 Aufständische.

Die meisten Opfer gab es der Beobachtungstelle zufolge am Samstag beim Beschuss der Rebellenhochburg Homs sowie in Duma nahe der Hauptstadt Damaskus, wo im Morgengrauen sieben Zivilisten beim Einschlag einer Granate in ihrem Haus getötet worden seien. Bei Gefechten in der nördlichen Provinz Aleppo an der Grenze zur Türkei seien zudem sechs Aufständische und fünf Soldaten getötet worden.

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