Test zwei Wochen nach Ausstieg aus INF-Vertrag

USA testen konventionelle Mittelstreckenrakete

Washington (AFP) - Rund zwei Wochen nach dem Ende des INF-Abrüstungsvertrags haben die USA eine Mittelstreckenrakete getestet. Nach Angaben des Pentagons wurde die landgestützte und konventionelle Rakete von mehr als 500 Kilometern Reichweite am Sonntag von der San-Nicolas-Insel vor der kalifornischen Küste abgefeuert. Der Raketentest wäre unter den Vorgaben des INF-Vertrags noch verboten gewesen.
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Vom Pentagon verbreitetes Foto des Raketentests © AFP

Die Beendigung des Abkommens durch die USA und Russland am 2. August hat weltweit die Ängste vor einem neuen und gefährlichen Rüstungswettlauf geschürt. Das 1987 zwischen den Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion geschlossene Abkommen verbot landgestützte Raketen und Marschflugkörper mit einer Reichweite zwischen 500 und 5500 Kilometern, die Atomsprengköpfe tragen können.

Zu dem jetzigen Test erklärte das Pentagon zwar, es habe sich um einen "konventionell konfigurierten" Marschflugkörper gehandelt. Allerdings können ursprünglich für konventionelle Sprengköpfe eingerichtete Raketen später so umgerüstet werden, dass sie atomare Sprengköpfe befördern können.

Genauere Angaben zur Art der getesteten Rakete machte das US-Verteidigungsministerium nicht. Es beschrieb den Test aber als erfolgreich. Die Rakete sei von einem mobilen Raketenwerfer abgefeuert worden und habe nach mehr als 500 Kilometern Flug ihr Ziel "exakt" getroffen. Zur geographischen Lage des Zielobjekts machte das Ministerium keine Angaben.

Die San-Nicolas-Insel, von wo die Rakete abgefeuert wurde, liegt rund hundert Kilometer von der südkalifornischen Millionenmetropole Los Angeles entfernt. Die Insel gehört der US-Marine. Die Daten und Erfahrungen aus dem Test sollten nun für die Entwicklung künftiger "Mittelstreckenkapazitäten" verwendet werden, teilte das Pentagon mit.

Den INF-Vertrag von 1987 hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump mit der Begründung aufgekündigt, dass Russland das Abkommen bereits seit Jahren verletze. Besonders in dem neuen russischen Marschflugkörper 9M729, der mit Atomsprengköpfen bestückt werden könnte, sieht Washington einen Verstoß gegen das Abkommen. Dieser Vorwurf kommt auch von der Nato.

Moskau weist die Anschuldigungen zurück und schreibt Washington die Verantwortung für das Ende des INF-Vertrags zu.

Direkt nach der Beendigung des Abkommens hatte US-Verteidigungsminister Mark Esper die rasche Entwicklung neuer US-Raketensysteme angekündigt. Unklar ist allerdings, wo die neuen Raketen stationiert werden sollen. Laut Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ist keine Stationierung neuer atomarer Raketen auf europäischem Boden geplant.

Nach Angaben Espers streben die USA aber die rasche Stationierung neuer konventioneller Mittelstreckenraketen in Asien an, um China etwas entgegenzusetzen. Den Ausstieg aus dem INF-Vertrag begründet die US-Regierung nicht nur mit russischen Rüstungsvorhaben, sondern auch damit, dass durch den rein bilateralen Vertrag Peking keinerlei Beschränkungen auferlegt worden waren.

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