YPG warnt vor Schwächung des Kampfes gegen IS-Dschihadisten

USA warnen Türkei vor neuer Offensive gegen Kurdenmiliz in Syrien

Istanbul (AFP) - Die USA haben sich "ernsthaft besorgt" über die Ankündigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert, eine neue Offensive gegen eine Kurdenmiliz in Nordsyrien zu starten. Eine einseitige Militäraktion wäre "inakzeptabel", zumal sich US-Einheiten in der Region aufhielten, erklärte das US-Verteidigungsministerium am Mittwoch. Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) erklärten, die Offensive würde die Bekämpfung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) schwächen.
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USA warnen Türkei vor neuer Offensive in Nordsyrien © AFP

"Koordination und Konsultation zwischen den USA und der Türkei sind der einzige Weg, um Sicherheitsprobleme in der Region anzugehen", erklärte der Pentagon-Sprecher Sean Robertson. Eine türkische Offensive bedrohe die Erfolge im Kampf gegen die IS-Miliz. Die Verbündeten dürften den Dschihadisten "an diesem kritischen Punkt keine Luft zum Atmen geben", warnte Robertson.

Auch die YPG-Miliz warnte, eine türkische Offensive würde der IS-Miliz nutzen und die derzeit laufende Offensive gegen die letzte IS-Bastion im ostsyrischen Hadschin schwächen. Kämpfer, die derzeit an der Offensive an der Grenze zum Irak beteiligt seien, würden kehrtmachen, "um ihre Gebiete und ihre Familien zu verteidigen", warnte der YPG-Sprecher Nuri Mahmud.

Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), deren Rückgrat die YPG-Einheiten stellen, versuchen seit September, die letzten Gebiete der IS-Miliz im Euphrattal zu erobern. Nachdem sie lange auf erbitterten Widerstand gestoßen waren, gelang es ihnen vor einer Woche, die Verteidigung der Dschihadisten in Hadschin zu durchbrechen. Am Donnerstag meldeten die SDF neue Erfolge.

Sie hätten "das Stadtzentrum von Hadschin und die große Moschee erobert", teilten die SDF mit. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte, dass die SDF-Kämpfer mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition weit nach Hadschin vorgedrungen seien. Die Dschihadisten seien nun auf Tunnel und die Ortsränder zurückgedrängt.

Die USA unterstützen die SDF und die YPG im Kampf gegen die IS-Miliz mit Spezialkräften, Luftangriffen und Waffen. Das Bündnis sorgt seit langem für Streit mit der Türkei, die die YPG wegen ihrer engen Verbindungen zur Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Bedrohung sieht und als Terrororganisation einstuft. Die PKK kämpft seit 1984 mit Gewalt gegen den türkischen Staat.

Ankara hat bereits zwei Militäreinsätze gegen die YPG in Nordsyrien gestartet, bei denen sie die Kurdenmiliz aus dem Gebiet um Al-Bab und aus der Region Afrin vertrieb. Seitdem droht Erdogan immer wieder mit einer neuen Offensive. Um dem zu begegnen, haben die US-Streitkräfte trotz der Proteste der Türkei kürzlich mehrere Beobachtungsposten an der türkischen Grenze errichtet.

Am Mittwoch kündigte Erdogan an, "in einigen Tagen" eine neue Militäroffensive gegen die YPG östlich des Euphrat zu starten. Er betonte, sie richte sich nicht gegen US-Soldaten, sondern gegen die Kämpfer der "Terrororganisation". Zugleich kritisierte er aber die US-Beobachtungsposten in Syrien. Deren Ziel sei nicht, "unser Land vor Terroristen zu schützen, sondern die Terroristen vor der Türkei".

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