Präsident Trump bestreitet Kehrtwende

USA wollen nun doch 200 Soldaten in Syrien zur "Friedenssicherung" lassen

Washington (AFP) - Entgegen der ursprünglichen Ankündigung von US-Präsident Donald Trump werden die Vereinigten Staaten doch nicht alle ihre Soldaten aus Syrien abziehen. "Etwa 200" der bislang rund 2000 Soldaten sollen nach Angaben des Weißen Hauses zur "Friedenssicherung" in dem Bürgerkriegsland bleiben. Trump bestritt jedoch am Freitag, eine Kehrtwende vollzogen zu haben.
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US-Militärfahrzeuge im syrischen Manbidsch © AFP

"Ich ändere nicht den Kurs", sagte der US-Präsident im Weißen Haus. "Nur ein sehr kleiner, winziger Teil" der US-Soldaten werde in Syrien bleiben.

Trump hatte im Dezember seine überraschende Ankündigung des kompletten Truppenabzugs damit begründet, dass der Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) "gewonnen" sei. Die Entscheidung stieß auf heftige Kritik von verbündeten Staaten und der US-Opposition, aber auch von manchen Vertretern von Trumps Partei. Auch in der Trump-Regierung sorgte sie für Unruhe. US-Verteidigungsminister Jim Mattis trat aus Protest zurück.

Kritiker warnten, dass die syrischen Kurden ohne die US-Truppen einem Angriff der Türkei ausgesetzt seien. Zudem gibt es Befürchtungen, dass sich die IS-Miliz wieder sammeln könnte.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte nun, dass die Gruppe von rund 200 US-Soldaten "für eine gewisse Zeit zur Friedenssicherung" bleiben werde. Das Gros der US-Truppen soll laut vorheriger Ankündigung der US-Regierung bis Ende April abgezogen werden

Der von Sanders verwendete Begriff der "Friedenssicherung" könnte darauf hindeuten, dass die USA europäische Staaten dazu bringen wollen, selbst Truppen zu diesem Zweck zu entsenden. Der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan warb vergangene Woche in Europa für eine solche Mission.

Trump telefonierte am Donnerstag auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Nach Angaben des Weißen Hauses vereinbarten die beiden Staatschefs, ihre Zusammenarbeit zur Schaffung einer Sicherheitszone im Norden Syriens fortzusetzen. Trump hatte sich im Dezember für eine solche Zone an der türkischen Grenze ausgesprochen, doch müsste dafür die syrische Kurdenmiliz YPG große Gebiete räumen.

Die YPG trägt im Rahmen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) die Hauptlast des Kampfs gegen die IS-Miliz. Das einstige "Kalifat" der Dschihadisten ist inzwischen auf das Dorf Baghus im Osten Syriens zusammengeschrumpft.

SDF-Einheiten bereiten seit Tagen die entscheidende Offensive vor. Am Freitag transportierten sie weitere Zivilisten aus der Ortschaft im Euphrattal an der Grenze zum Irak fort. AFP-Reporter sahen, wie ein Konvoi von mehr als 40 Lastwagen mit Männern, Frauen und Kindern Baghus in Begleitung von SDF-Kämpfern verließ.

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