Größere Beiträge stammen von Konfliktparteien Saudi-Arabien und Emiraten

Vereinte Nationen bekommen bei Geberkonferenz 2,3 Milliarden Euro für Jemen

Genf (AFP) - Die Vereinten Nationen haben bei einer internationalen Geberkonferenz für den Jemen Hilfszusagen von 2,6 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) erhalten. UN-Generalsekretär António Guterres sprach am Dienstag in Genf von einem Erfolg. Größere Spenden kamen demnach von den beiden an dem Jemen-Konflikt beteiligten Staaten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Deutschland versprach 100 Millionen Euro, die EU über 160 Millionen Euro.
UN-Geberkonferenz gegen die humanitäre Krise im Jemen.
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UN-Geberkonferenz gegen die humanitäre Krise im Jemen. © AFP

Laut Guterres liegen die Zusagen für dieses Jahr um 30 Prozent höher als bei der Geberkonferenz im vergangenen Jahr. Genaue Zahlen nannte er nicht, doch allein Saudi-Arabien versprach nach eigenen Angaben 500 Millionen Dollar. Damit beliefen sich seine humanitären Hilfsleistungen seit 2014 auf 14 Milliarden Dollar, erklärte Riad.

Die Vereinten Nationen hoffen auf Zusagen in diesem Jahr in Höhe von insgesamt 4,2 Milliarden Dollar. 24 Millionen Menschen sind in dem Kriegsland auf Unterstützung angewiesen, das sind 80 Prozent der Bevölkerung. Guterres sprach von einer "überwältigenden humanitären Katastrophe". Allein 360.000 Kinder seien akut unterernährt, und einem "glaubwürdigen Bericht" der Organisation Save the Children zufolge seien bereits mehr als 80.000 der bis zu Fünfjährigen seit Kriegsbeginn verhungert.

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und schiitischen Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht. Nach UN-Angaben wurden in dem Konflikt bereits mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen tausende Zivilisten.

Ärzte ohne Grenzen kritisierte, dass ein Teil der Großspender gleichzeitig für den Konflikt weiter befeuern. Letztendlich lasse sich die humanitäre Krise nur lösen, wenn die Geberländer ihre Beteiligung an dem Krieg beendeten und die Kriegsparteien für ihre Gräueltaten zur Rechenschaft zögen, erklärte Jemen-Programmmanager Charles Gaudry.

Guterres wies die Kritik zurück. Unabhängig von der Rolle, die ein Land in einem Konflikt spiele, sei es notwendig, dass humanitäre Hilfe geleistet werde, sagte er und betonte, die Hilfe werde gleichermaßen an alle Bedürftigen in allen Gebieten verteilt.

Laut Guterres konnte ein UN-Team erstmals seit September wieder ein Lager mit dringend benötigten Weizenvorräten für die hungernde Bevölkerung erreichen. In den Red Sea Mills am Rande der umkämpften Hafenstadt Hodeida lagern 51.000 Tonnen Weizen - "genug, um mehr als 3,7 Millionen Menschen einen Monat lang zu ernähren," wie ein Sprecher des Welternährungsprogramms der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der Zugang zu den Getreidespeichern ist seit Beginn der Kämpfe um Hodeida im September blockiert.

Vertreter der Regierung und der Huthi-Rebellen hatten sich im Dezember auf eine Waffenruhe für die Hafenstadt Hodeida verständigt. Im Februar einigten sich beide Seiten dann auf die erste Phase eines Truppenabzugs aus Hodeida und zwei weiteren Häfen. Danach sollte auch die von den Regierungstruppen kontrollierte Anlage mit den Weizenvorräten wieder frei zugänglich sein.

Die Hilfsorganisationen Care, Oxfam, NRC und Save the Children bemängelten, dass die zugesagten 2,3 Milliarden Euro "bei Weitem nicht an die geforderten rund 3,7 Milliarden Euro" heranreichten. Gleichzeitig appellierten sie an alle Länder, die Waffen an kriegsführende Parteien im Jemen verkauften, "diese Geschäfte mit sofortiger Wirkung zu beenden".

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter forderte die Bundesregierung auf, die deutschen Rüstungsexporte an die Kriegsbeteiligten dauerhaft zu stoppen. Solange Berlin die Lieferung deutscher Rüstungsgüter an "Länder wie Saudi-Arabien, die aktiv am Kriegsgeschehen beteiligt sind", lediglich kurzzeitig aussetze, konterkariere sie ihr eigenes humanitäres Engagement "und macht sich mitschuldig am Leid und Sterben im Jemen", sagte er AFP

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